Politik : Südkorea will Bürger aus Norden holen Bürger zum Verlassen Kaesongs aufgefordert

Seoul - Der Streit zwischen Süd- und Nordkorea um die Zukunft ihres letzten gemeinsamen Großprojekts spitzt sich zu. Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae kündigte am Freitag in Seoul an, alle 175 noch verbliebenen Landsleute im stillgelegten Industriepark im nordkoreanischen Kaesong zurückzuholen. Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte kurz zuvor einen von einem Ultimatum begleiteten Vorschlag des Südens zur Aufnahme von Gesprächen über die grenznahe Sonderwirtschaftszone abgelehnt. Der Schritt sei zum Schutz der betroffenen Südkoreaner unvermeidbar, sagte Ryoo. Es sei unter anderem nicht zu rechtfertigen, dass Nordkorea die Lieferung von Proviant in den Kaesong-Komplex blockiere. Wann die Südkoreaner zurückkehren, war zunächst unklar.

Mit der Ankündigung Seouls steht das Projekt, das als Symbol der innerkoreanischen Aussöhnung gilt, mehr denn je auf der Kippe. Der Betrieb der Fabriken steht bereits seit mehr als zwei Wochen still. Inmitten der zunehmenden Spannungen wegen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms hatte Pjöngjang nach seinem Beschluss zur „vorübergehenden Schließung“ des Komplexes über 50 000 niedrig bezahlte nordkoreanische Arbeiter abgezogen, die dort für 123 kleinere und mittlere Unternehmen aus Südkorea tätig waren. Zuvor schon war der Zugang für die südkoreanischen Pendler versperrt. Nordkorea blockiert jedoch nicht die Ausreise aus dem Industriepark, in dem Ende 2004 die Produktion begonnen hatte.

Pjöngjang warf Seoul vor, die Lage um den Industriepark zu verschärfen. Ein Ultimatum zu setzen und vor ernsten Konsequenzen zu warnen, werde zur „endgültigen Vernichtung“ des Südens führen, drohte die Nationale Verteidigungskommission. Diese betonte, dass Nordkorea allen Südkoreanern eine sichere Ausreise gewähre, die Kaesong verlassen wollten.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar äußerst angespannt. Nordkorea hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt und den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. dpa

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