Südkoreanische Geiseln : Taliban-Ultimatum verstreicht ergebnislos

Gleich zwei Ultimaten der Taliban, die noch immer 22 südkoreanische Christen in ihrer Gewalt halten, sind am Montag ergebnislos verstrichen. Unklar bleibt außerdem, ob die Entführer Geld fordern oder Gesinnungsgenossen freipressen wollen.

KabulKein Ende des Nervenkriegs um die 22 in Afghanistan verschleppten Südkoreaner: In der Geiselkrise verstrichen am Montag zwei Ultimaten der Taliban ohne Verhandlungslösung. Nach deren Ablauf wurde zunächst nichts über das Schicksal der verschleppten Christen bekannt. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi hatte der dpa kurz vor Ende der bislang letzten Frist gesagt, sollte die Regierung nicht einlenken, werde damit begonnen, Geiseln zu töten. Im Fall des entführten deutschen Bauingenieurs wurde keine neue Entwicklung bekannt.

Die Taliban fordern im Tausch gegen die Südkoreaner nach eigenen Angaben die Freilassung von acht radikal-islamischen Rebellen aus afghanischer Haft. Die Regierung bat die Taliban nun um zwei Tage mehr Zeit. Wahidullah Mudschadidi, der die Verhandlungen für die Regierung führt, sagte, es scheine, als würden die Rebellen die Forderung akzeptieren, man warte aber noch auf eine Antwort. Ahmadi sagte dagegen am Abend, er warte auf Nachricht von seinen Kämpfern, wie viele Koreaner getötet worden seien. Der Kontakt in die Bergregion in der südostafghanischen Provinz Ghasni sei schwierig.

Leiche eines südkoreanischen Predigers bereits in die Heimat überführt

23 Südkoreaner - Mitglieder einer Freikirche, die in Afghanistan medizinische Hilfe leisten wollten - waren am 19. Juli auf dem Weg von der Hauptstadt Kabul nach Kandahar im Süden des Landes verschleppt worden. Eine der Geiseln, ein Prediger, wurde später von den Entführern erschossen. Die Leiche der Geisel Bae Hyung Kyu wurde bereits in die Heimat überführt. Die Beisetzung solle erst nach der sicheren Rückkehr der übrigen 22 Geiseln erfolgen, hatte Baes Bruder, Shin Kyu, vor Reportern in der Saemmul-Gemeindekirche im Seouler Vorort Pundang erklärt.

Der 42-jährige Bae, der eine neunjährige Tochter und seine Frau hinterlässt, stand als Prediger im Dienst der Freikirche. Seine mit Kugeln durchsiebte Leiche wurde an seinem Geburtstag in der Provinz Ghasni gefunden, wo die Geiseln verschleppt worden waren. Die Verschleppten sind nach Angaben einer Geisel inzwischen in Gruppen aufgeteilt. Unklar ist, ob sich alle 22 Südkoreaner in der Gewalt der Taliban befinden. Von den Unterhändlern der Regierungsseite hatte es mehrfach geheißen, die Entführer seien sich untereinander nicht darüber einig, ob sie Lösegeld oder die Freilassung von Taliban-Kämpfern forderten.

Deutscher soll sich in der Gewalt von Kriminellen befinden

Ahmadi wies das am Montag zurück. Die Rebellen forderten nur die Freilassung ihrer Gesinnungsgenossen und einen Truppenabzug, den Südkorea aber schon vor der Geiselnahme zum Jahresende beschlossen hatte. Der entführte Deutsche befindet sich nach dpa-Informationen ebenfalls in Ghasni in der Hand einer örtlichen Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund, die nur lose Verbindung zu den straffer organisierten Rebellen von Mullah Omar und Ahmadi unterhalten soll. Die UN äußerten sich unterdessen erneut besorgt über die Geiselnahmen.

Eine von den Taliban verschleppte Südkoreanerin wandte sich in einem Telefoninterview mit einem Hilferuf an die Regierung in Seoul. "Wir entschuldigen uns, dass wir diesen Ärger verursacht haben. Wir wollen so schnell wie möglich raus hier", wurde die 34 Jahre alte Lee Ji Young von der südkoreanischen Zeitung "JoongAng Ilbo" zitiert. Lee habe sich während des Telefongesprächs mit den Geiselnehmern besprechen müssen, schrieb die Zeitung. Möglicherweise fand das Gespräch unter Druck der Taliban statt. Lee sagte, die meiste Zeit verbringe sie mit "Essen und Schlafen". "Wir wurden nicht in einer bestimmten Weise bedroht." (mit dpa)

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