Südlibanon : Israelische Luftwaffe fliegt neue Angriffe

Trotz der verkündeten Feuerpause von 48 Stunden hat Israel neue Luftangriffe auf Ziele im Südlibanon geflogen. Nach Angaben eines Militärsprechers nahm die Luftwaffe am Montag Stellungen der Hisbollah-Miliz bei dem Dorf Taibeh ins Visier.

Jerusalem/New York - Israels Verteidigungsminister Amir Peretz lehnte eine sofortige Waffenruhe erneut ab. US-Außenministerin Condoleezza Rice hielt dennoch einen Waffenstillstand noch in dieser Woche für möglich. Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich «schockiert» über den Tod von mindestens 52 Zivilisten bei dem israelischen Angriff auf Kana am Vortag. In New York waren informelle Gespräche über eine Libanon-Truppe anberaumt.

Israel hatte der Feuerpause nach Gesprächen von Rice in Jerusalem zugestimmt. Mit dem Aussetzen der Luftangriffe sollte der Bevölkerung im Südlibanon ermöglicht werden, sich innerhalb von 24 Stunden in Sicherheit zu bringen. Israel behielt sich jedoch vor, weiter gegen die Hisbollah vorzugehen, sollte diese Raketenangriffe auf Nordisrael vorbereiten. Nach israelischen Armeeangaben trat die Feuerpause am Montagmorgen (01.00 Uhr MESZ) offiziell in Kraft. Israel wollte in der Zeit den Hergang des Bombardements von Kana untersuchen, der international Entsetzen ausgelöst hatte. Wenige Stunden nach der Ankündigung flog Israel jedoch Angriffe auf Taibeh. Ein Militärsprecher sagte, die Luftwaffe sei zur Unterstützung von Bodentruppen im Einsatz.

Nach dem Tod von mehr als 50 Zivilisten bei einem israelischen Luftangriff auf Kana zeigte sich der UN-Sicherheitsrat in einer Erklärung «schockiert» und besorgt über die «drohende Eskalation der Gewalt». Auf eine klare Verurteilung des Bombardements wurde nach Diplomatenangaben auf Druck der USA verzichtet. Auch die Forderung von Generalsekretär Kofi Annan nach einer sofortigen Waffenruhe fand keine Mehrheit. Der Libanon erklärte den Montag zum offiziellen Trauertag. Banken und öffentliche Gebäude blieben geschlossen, Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt.

Frankreich forderte von den Konfliktparteien erneut die sofortige Einstellung jeglicher Kampfhandlungen. Die Einstellung der Luftangriffe sei «ein erster Schritt, der aber angesichts der aktuellen Risiken unzureichend ist», sagte Premierminister Dominique de Villepin. Der UN-Sicherheitsrat wollte in den kommenden Tagen über einen französischen Resolutionsentwurf für eine sofortige Waffenruhe diskutieren. Auch das russische Außenministerium forderte in einer Erklärung einen «sofortigen» Waffenstillstand. Dieser sei angesichts des «Dramas von Kana» notwendiger denn je, hieß es. (tso/AFP)

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