Südostasien : Führer des indonesischen Al Qaida-Ablegers festgenommen

Einer der führenden Köpfe der südostasiatischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah ist bei einem Großeinsatz der indonesischen Polizei ins Netz gegangen. Auf das Konto der Gruppe gehen auch die Anschläge auf Bali im Jahr 2005 bei der 202 Menschen ums Leben kamen.

Zarkasi
Steuerte Anschläge überall in Indonesien: Zarkasi, Chef derTerrororganisation Jemaah Islamiyah. -Foto: dpa

JakartaViereinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von Bali mit 202 Toten ist einer der gesuchtesten Köpfe der islamistischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI) festgenommen worden. "Zarkasi alias Mbah ist der oberste Chef der Jemaah Islamiyah", sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit 88, Surya Dharma, am Freitag vor Journalisten in Jakarta. Zarkasi wurde bereits am vergangenen Wochenende in Yogyakarta festgenommen. JI wird für die Terroranschläge von Bali aus dem Jahr 2002 verantwortlich gemacht, bei denen 202 Menschen, darunter 88 Australier, starben. Die Organisation gilt als südostasiatischer Arm des Terrornetzwerks Al Qaida.

"Zarkasi steuerte JI-Anschläge überall in Indonesien", sagte Dharma. Der 45-Jährige sei dafür verantwortlich gewesen, JI-Führer zu schulen, Waffen und Munition zu besorgen und Anschläge zu koordinieren. Die Polizei hatte am Mittwoch erstmals von einem Großeinsatz gegen die JI gesprochen, dabei aber noch nicht bekannt gegeben, dass auch Zarkasi unter den mindestens acht festgenommen war. Laut Dharma war Zarkasi kurz nach der Festnahme weiterer mutmaßlicher Drahtzieher der Terroranschläge von Bali der Polizei in die Fänge geraten. Unter ihnen war auch Abu Dujana, der eine Sondereinheit der JI geführt haben soll.

Aus der ersten Generation der Terrorgruppe

In einem Videofilm, der auf einer Pressekonferenz am Freitag gezeigt wurde, ist Zarkasi zu sehen, wie er von sich selbst sagt, er sei JI-Führer seit 2004. Dujana ist ebenfalls in dem Video zu sehen. Er behauptet, er sei der Führer des militärischen Arms der JI gewesen. Zarkasi soll sich zeitweilig zu Trainingszwecken in Pakistan aufgehalten, Dujana in Afghanistan gekämpft haben. Die Südostasien-Expertin der Internationalen Krisengruppe (ICG), Sidney Jones, sagte, Zarkasi sei "aus der ersten Generation der JI". Die Festnahmen von Zarkasi und Dujana bedeuteten nach Ansicht des Terrorismus-Experten Rohan Gunaratna, dass der militärische JI-Arm jetzt stark in Mitleidenschaft gezogen sei.

Laut dem Anti-Terror-Chef Dharma existiert die JI jedoch noch, obwohl die Terrororganisation seit Oktober 2005 keinen Anschlag mehr für sich reklamiert hat. JI würde derzeit ein "Netzwerk" aufbauen, in dem sie Mitglieder rekrutiere und trainiere, Waffen sammle und Bomben baue.

Der JI-Chefplaner Hambali wurde 2003 in Thailand verhaftet und sitzt seit September 2006 im US-Gefangenenlager Guantanamo. Er soll gegen die Sowjets in Afghanistan gekämpft haben und dort von Al Qaida geschult worden sein. Auch zahlreiche andere JI-Mitglieder wurden im Laufe der Jahre verhaftet.

Al Qaida Südostasiens

JI will in den muslimischen Ländern Südostasiens einen Gottesstaat errichten, der neben Indonesien auch Malaysia, Singapur, Brunei und die südlichen Philippinen und Südthailand umfassen soll. JI stützt sich, ähnlich wie Al Qaida, auf eine islamistische Ideologie mit anti-westlichen Tendenzen und hat eine starke anti-christliche Stoßrichtung. Seit April 1999 wird die Terrororganisation für mehr als 50 Anschläge und versuchte Anschläge verantwortlich gemacht.

Neben Bali soll JI auch die Anschläge auf ein Marriott-Hotel 2003 und auf die australische Botschaft 2004 in Jakarta mit jeweils zwölf Toten zu verantworten haben. Im Oktober 2005 sprengten sich drei Attentäter fast zeitgleich in Lokalen der Touristenhochburgen Jimbaran und Kuta in die Luft und rissen 19 Menschen mit in den Tod. Auch für diesen Anschlag soll JI verantwortlich sein. (mit AFP)

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