Politik : Sündenfall

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Der Apfel an sich musste in der Weltgeschichte schon viel durchmachen. Ganz zu Beginn, als der demografische Faktor bei der Rentenversicherung noch keine Rolle spielte, weil sich gerade mal zwei Menschen auf Gottes Grund trollten, hatte der Apfel seinen bislang prominentesten Auftritt, der sein Image prägen sollte. Damals hatte der liebe Gott ihm die Rolle des Sünden-Darstellers zugedacht. Warum er gerade ihm und nicht etwa der Kartoffelrübe ist bis heute unerforscht. Vermutlich war die Kartoffelrübe noch nicht geschaffen. Für das Unheil der Welt – soviel muss der Gerechtigkeit halber gesagt werden – ist der Apfel jedoch nicht allein verantwortlich. Dazu gehörten auch schon damals zwei: Die lockende Frucht und die gierige Frau, die kraftvoll zubiss. Der erste Sündenfall.

Bei den alten Griechen kam der Apfel dann noch als Apfel der Zwietracht in Verruf. Auch dessen geistiger Bruder, der Zankapfel, konnte das Image nicht aufpolieren. Wie dankbar muss die Gewerkschaft der Äpfel also der SPD sein, die der Frucht nun zu neuem Glanz verhilft und sie als Wahlkampfmittel einsetzt. „Der prachtvolle Jona Gold reift speziell für uns im größten Apfelanbaugebiet Europas heran“, wirbt die Broschüre mit den Wahlkampfartikeln der Genossen. Wenn der Apfel noch gelb ist, legen die Züchter „in aufwändiger Handarbeit“ eine Schablone des SPD-Logos auf. So reift ein roter Apfel mit gelbem SPD-Schriftzug heran, das Stück für 73 Cent. Klasse! Jetzt muss sich nur noch erweisen, ob die Imageoffensive der Kampa fruchtet, ob der SPD-Apfel eine ähnlich erfolgreiche Wirkung haben wird, wie das von Helmut Kohl verkörperte Modell Birne der CDU. Markus Feldenkirchen

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