Politik : Suharto-General ist Favorit bei Präsidentenwahl in Indonesien

M. Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Applaus, Stoßen, Schreien: ein Menschenpulk treibt durch die Katakombe des Bung Karno Stadiums. Viele wollen den eingequetschten Mann in der Mitte berühren. Susilo Bambang Yudhoyono heißt der Star. „SBY“ nennen ihn die Indonesier, 70 000 warten im Stadion, Zehntausende stecken noch im Verkehrschaos. Indonesien ist im SBY-Fieber. „Yudhoyono bekommt 40 bis 50 Prozent der Stimmen“, sagt Wahlforscher Alan Wall, „die absolute Mehrheit ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.“

Sechs Jahre nach Ende der Militärherrschaft wählen die Indonesier ihren Staatschef am Montag erstmals direkt. Und die Indonesier werden ihr neues Recht wohl dazu nutzen, einen Mann aus dem früheren Militärregime zu wählen: Yudhoyono war unter Diktator Suharto Drei-Sterne-General. SBY ist ein ernster Mann mit kräftiger Stimme und breiten Schultern. „Indonesien braucht starke, aber demokratische Führung“, sagt er, ruhig wie immer. Die Menschen halten ihn für ehrlich, er verspricht Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Korruption, ein Ende der Wirtschaftskrise, mehr Bildung und Sicherheit. Die anderen Kandidaten versprechen das auch: Präsidentin Megawati Sukarnoputri, Vizepräsident Hamzah Haz, Ex-Militärchef Wiranto und Volksversammlungspräsident Amien Rais. Die vier Politiker müssen sich wie in einem bösen Traum fühlen, SBY hat laut Umfragen mehr Unterstützung als sie alle zusammen. „SBY ist unser Wunschkandidat“, sagt auch ein europäischer Diplomat, „wir erhoffen uns mit ihm am ehesten weitere Reformen“. Also Jubel, wenn ein Suharto-General neuer Staatschef der jungen Demokratie Indonesien wird? Wichtig sind die Wörter „erhoffen“ und „am ehesten“. Megawati ist regierungsunfähig, Wiranto in Osttimor als Kriegsverbrecher angeklagt. Der polygame Hamzah ist konservativer Islamist und Amien könnte sich als solcher entpuppen.

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