Politik : Suhartos Nachfolger sagt Reformen zu

JAKARTA (dpa/AP/rtr).Nach wochenlangen blutigen Unruhen hat der indonesische Präsident Suharto am Donnerstag seinen Rücktritt erklärt und die Macht an den bisherigen Vizepräsident Bacharuddin Jusuf Habibie abgetreten.Habibie legte unmittelbar danach den Amtseid ab.In einer Fernsehansprache versprach er eine "saubere Regierung" ohne Korruption und Vetternwirtschaft und "stufenweise Reformen" zur Überwindung der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise.Suhartos Rücktritt löste im ganzen Land spontanen Jubel aus.Regierungen zahlreicher Staaten begrüßten den Abgang Suhartos.

Der 76jährige Suharto hatte fast 32 Jahre mit fast unbeschränkter Macht regiert.Er war nach Fidel Castro der dienstälteste Staatschef der Welt.Trotz des Rücktritts setzen Tausende von Studenten die seit Tagen andauernde Besetzung des Parlaments fort.

Habibie, ein enger Vertrauter Suhartos, würdigte in seiner Antrittsrede die Reformbewegung als "frische Strömung, die Indonesien ins 21.Jahrhundert tragen" werde.Habibie versprach eine professionelle und integere Regierung "im Einklang mit den Wünschen der neuen Generation".Die Vereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) würden voll erfüllt.

Suharto sagte in seiner Rücktrittserklärung ohne äußere Gemütsregung: "Die Umstände machen es mir sehr schwer, meinen Pflichten als Präsident nachzukommen.Ich habe daher beschlossen, unverzüglich zurückzutreten." Habibie solle des Mandat des Präsidenten bis zur nächsten regulären Wahl im Jahre 2003 ausschöpfen.General Wiranto, der Chef der Streitkräfte, sicherte Habibie demonstrativ die Unterstützung des Militärs zu.Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.Die Armee hielt weiter strategisch wichtige Punkte in der Hauptstadt Jakarta mit Panzern besetzt.

Regimegegner und Sprecher der Opposition reagierten mit Vorsicht auf den Machtwechsel zu Habibie.Moslemführer Amien Rais, der schärfste Kritiker des Suharto-Regimes, betonte, der Machtübergang sei im Rahmen der Verfassung erfolgt.Die Haltung der Protestbewegung zu Habibie hänge jetzt davon ab, ob er eine "saubere Regierung" vorstellen werde.Rais, der selbst Ambitionen auf die Präsidentschaft hat, hatte am Mittwoch wegen eines riesigen Militäraufgebots in Jakarta geplante Massenproteste gegen Suharto abgesagt, um Blutvergießen zu verhindern.

Die asiatischen Nachbarländer wie Japan und Thailand begrüßten den Rücktritt Suhartos ebenso wie US-Präsident Clinton.Jetzt biete sich die Gelegenheit für den Beginn eines Prozesses, der zu einem wirklich demokratischen Übergang für Indonesien führen könne, erklärte Clinton.Bundeskanzler Kohl schrieb in einem Telegramm an Suharto, er nehme dessen Entscheidung "mit großem Respekt und Zustimmung" zur Kenntnis.Mit diesem Schritt habe Suharto wesentlich dazu beigetragen, "weiteres Blutvergießen zu vermeiden und damit die innere Lage und Sicherheit des Landes zu stabilisieren".

Rußland zeigte sich erleichtert darüber, daß der Übergang ohne weitere Gewalt gelungen sei.China sprach von einer inneren Angelegenheit.

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