Politik : Sunniten kritisieren Amerika: So wird Irak ein islamischer Staat

Christoph von Marschall

Washington - Einen Tag vor Ablauf der Frist für den Verfassungsentwurf des Irak rechnen die USA laut Medienberichten nicht mehr mit einem erfolgreichen Abschluss. Die Delegierten stritten in Bagdad weiter über das Gewicht des islamischen Rechts und den Grad des Föderalismus. Ursprünglich sollte der Entwurf am 15. August vorliegen. Doch in letzter Minute änderte die Versammlung die Übergangsverfassung und verschob die Frist auf den heutigen Montag um Mitternacht. Eine weitere Verlängerung gilt jetzt als wahrscheinlich – was jedoch die Termine für das Verfassungsreferendum im Oktober und die Neuwahl des Parlaments im Dezember infrage stellt.

Kurdische und sunnitische Delegierte werfen den USA vor, sie hätten das Ziel westlicher Standards bei Frauen- und anderen Grundrechten aufgegeben, um den Schiiten, der größten Bevölkerungsgruppe, entgegenzukommen. „Ich bin schockiert. Amerika hat so viel Blut und Geld geopfert. Und jetzt helfen sie bei der Entstehung eines islamischen Staates“, zitieren US-Medien diese Stimmen.

Präsident George W. Bush wandte sich in seiner wöchentlichen Radioansprache gegen Forderungen nach festen Terminen für den Abzug der US-Truppen. „Wenn wir die bösen Menschen nicht im Ausland bekämpfen, werden wir sie bald in unseren Städten haben.“ Ein übereilter Abzug werde Anschläge wie im September 2001 in New York heraufbeschwören. Breiteres Medienecho fand Bushs 17-Meilen-Radtour mit Tour-de- France- Sieger Lance Armstrong über seine Ranch in Texas. Er habe ihm „ein kleines Stück vom Himmelreich“ gezeigt, sagte der US- Präsident.

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