Super Tuesday : Stehaufmännchen John McCain

Der Republikaner John McCain ist nicht kleinzukriegen: Nach dem Super-Wahltag ist der totgesagte Außenseiter plötzlich in der Favoritenrolle. Dabei stand sein Wahlkampf schon kurz vor der Pleite.

Peter Wütherich[AFP]
John McCain
Daumen rauf: John McCain ist der neue Favorit der Republikaner. -Foto: AFP

WashingtonDer Mann ist nicht kleinzukriegen. Senator John McCain hat im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ein Comeback hingelegt, das vor wenigen Monaten kaum ein Kommentator für möglich gehalten hätte.

"Ich glaube, wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir der Favorit für die Nominierung der Republikanischen Partei sind", sagte der 71-Jährige nach seinem guten Abschneiden am "Super-Dienstag" seinen jubelnden Anhängern in Arizona.

Mit der Favoritenrolle hat McCain weniger Erfahrung als mit aussichlosen Situationen. Wegen seines Überlebens von Folter und Isolationshaft im Vietnamkrieg gilt er vielen als legendärer Kriegsheld.

Klamme Wahlkampfkasse

Im Wahlkampf hatte es lange trübe ausgesehen für McCain: Das Geld ging ihm aus, die Wähler wandten sich ab, das Ende einer langen Laufbahn schien nahe. Im Januar jedoch legte er einen spektakulären Sieg bei der Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire hin. Damals hatte er seinen Anhängern zugerufen: "Wir haben den Leuten gezeigt, wie ein richtiges Comeback aussieht." Nach dem Super-Dienstag stehen McCains Chancen besser denn je, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden.

Freunde bewundern McCain für seine Geradlinigkeit, Gegner kritisieren ihn als stur und eigenbrötlerisch. Seit seiner Wahl zum Senator 1986 hat er ein Image der Glaubwürdigkeit kultiviert. "Ich habe nur eine Strategie: sagen, was ich denke", sagte er in seiner Siegesrede. McCains Leidensgeschichte als Vietnam-Veteran, Folteropfer und Krebs-Überlebender unterstützt das Bild des furchtlosen Einzelkämpfers, das ihm Wertschätzung in beiden politischen Lagern sichert.

Abgehärtet durch Lebenserfahrung

Abgeschossen über Vietnam, wurde er von einer wütenden Menschenmenge zusammengeschlagen und mit Bajonetten verletzt, seine vom Flugzeugabsturz herrührenden Verletzungen wurden nie behandelt.  In fünf Jahren Kriegsgefangenschaft verheilten seine Schultern ohne ärztlichen Eingriff - bis heute kann der Politiker seine Arme nicht hoch genug heben, um sich selbst zu kämmen.

Abgehärtet durch diese Lebenserfahrung präsentiert sich McCain in der Politik als jemand, der sich in seinem Urteilsvermögen nicht beirren lässt. Noch im Sommer stand sein Wahlkampf wegen mangelnder Spenden vor der Pleite. McCain musste die meisten Mitarbeiter entlassen. Der Spott seiner Gegner war ihm gewiss, doch McCain kämpfte mit kleinem Budget weiter. Kreuz und quer reiste er im Bus durch New Hampshire, wo er bereits im Jahr 2000 die Vorwahlen gewann, ehe ihn George W. Bush mit einem harten Wahlkampf in anderen Staaten überrundete.

Keine Kapitulation vor Al Qaida

Was ihn im Sommer 2007 schwächte, nämlich sein bedingungsloses Eintreten für die Entsendung von mehr Soldaten in den Irak, gilt heute nicht mehr als abwegig: Seit der Aufstockung der Truppen scheint sich die Lage in dem Land zu bessern. McCain sagt im Brustton der Überzeugung, er wolle lieber die Wahl verlieren als den Krieg. Ein Termin für den Abzug der US-Truppen wäre für den Vietnam-Helden eine "Kapitulation". Er werde nicht zulassen, "dass Al Qaida der Welt sagen kann, sie hätten die USA besiegt".

Er selbst aber muss die Aussicht auf eine Niederlage ernstnehmen -  sollte er die Nominierung gewinnen, wird er nach acht Jahren republikanischer Präsidentschaft einen schweren Stand haben. Zumal die Wähler angesichts seines Alters zögern könnten: McCain wird im Sommer 72 Jahre alt. Noch nie haben die US-Bürger einen so betagten Kandidaten neu ins Weiße Haus gewählt. Gegen einen demokratischen Konkurrenten Barack Obama - Jahrgang 1961 - oder auch gegen Hillary Clinton - Jahrgang 1947 - könnte McCain im Hauptwahlkampf alt aussehen.


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