Suu Kyi unter Hausarrest : "Sie wollen sie langsam umbringen"

Birmas Junta verlängert erneut den Hausarrest für Oppositionsführerin Suu Kyi – ohne Begründung.

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Insgesamt lebt Aung San Suu Kyi bereits fast 13 Jahre unter Hausarrest. -Foto: dpa

RangunDie Hoffnung auf einen Schimmer Menschlichkeit bei der Militärjunta Birmas dauerte keine 48 Stunden: Kaum hatte sie mit der versprochenen Öffnung für ausländische Helfer weitere Millionen Spendengelder für die Zyklonopfer eingestrichen, zeigte sie wieder ihr hässliches Gesicht: Sie verlängerte erneut den Hausarrest für Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die jetzt schon fast 13 der vergangenen 18 Jahre in fast völliger Isolation leben muss. „Die Auflagen des Hausarrests sind immer weiter verschärft worden – sie wollen sie langsam umbringen“, meint der Birma-Berichterstatter von Human Rights Watch, David Mathieson.

US-Präsident George W. Bush kritisierte die neuerliche Verlängerung des Hausarrests gegen Suu Kyi scharf. Er sei „tief besorgt“. Von der Junta verlangte Bush die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen. Rechtsexperten hatten in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass Bürger Birmas laut nationalem Recht nicht länger als fünf Jahre ohne Anklage gefangen bleiben dürfen. Für Suu Kyi lief diese Frist nun eigentlich ab. Die Junta äußerte sich nicht zur Verlängerung des Hausarrests.

Warum die zierliche Frau die mächtige Junta so das Fürchten lehrt, wurde erst wieder im vergangenen September deutlich. Mönche und Zivilisten schafften es während der Demonstrationen, zu Suu Kyis sonst abgesperrtem Haus durchzudringen. Die Politikerin trat nur vor die Tür, winkte und sagte nichts – doch die Menschen waren wie elektrisiert. Die „Demokratie-Lady“, wie sie ehrfürchtig genannt wird, ist die einzige Hoffnung des Volkes auf eine bessere Zukunft.

Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie hatte 1990 die Wahlen haushoch gewonnen, die die Junta dann kurzerhand für nichtig erklärte. Jedes Mal, wenn sie kurzzeitig in Freiheit lebte, zog sie die Massen an. 2003 heuerte das Regime nach Überzeugung von Menschenrechtsgruppen sogar Schlägertrupps an, die ihren Konvoi überfielen und zahlreiche Anhänger töteten. Die Junta drehte Suu Kyi daraus einen Strick – Erregung öffentlichen Ärgernisses – und sperrte sie erneut ein. Nach der brutalen Niederschlagung des Aufstands im vergangenen September versprach sie unter internationalem Druck einen Dialog mit Suu Kyi. Getan hat sich nichts.

Unterdessen kamen mehr als drei Wochen nach dem Zyklon nach UN-Angaben erstmals ausländische Helfer in das am stärksten betroffene Irrawaddy- Delta. 1,5 Millionen Überlebende der Region hätten noch keine Hilfe bekommen, sagte ein UN-Sprecher. mkb/dpa

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