Sven Volmering, JU-Chef in NRW : „Frau Merkel schlägt der JU ins Gesicht“

Angela Merkel hat ihre Teilnahme am Deutschlandtag der Jungen Union kurzfristig abgesagt. Sven Volmering, JU-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, sprach darüber mit dem Tagesspiegel.

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Foto: promo

Die Junge Union droht der Kanzlerin mit Liebesentzug. Was ist passiert?



Frau Merkel hat ihre Teilnahme am Deutschlandtag der Jungen Union kurzfristig abgesagt. Das empfinden unsere Mitglieder als Schlag ins Gesicht. Zum einen, weil ihre Zusage schon seit einem Jahr vorlag. Zum anderen, weil tausende JUler sich im Bundestagswahlkampf für die CDU engagiert haben. Sie haben Tag und Nacht auf den Straßen gestanden, Flyer verteilt, Infostände betreut, Plakate geklebt, damit Angela Merkel Kanzlerin bleiben kann. Sie alle haben sich auf die Kanzlerin beim Deutschlandtag gefreut und sicherlich auch ein Dankeschön verdient. Das alles führt zu dieser riesigen Enttäuschung über Angela Merkel.

Die Kanzlerin leitet die Verhandlungen mit der FDP. Ist das keine gute Begründung?

Nein, der Deutschlandtag dauert drei Tage. Frau Merkel hatte also ein sehr großes Zeitfenster.

Worüber hätte die JU mit der Kanzlerin denn sprechen wollen? Der Wahlsieg der CDU hat ja auch Schattenseiten.

Es wäre eine offene und ehrliche Debatte geworden. Die gesamte JU freut sich, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt. Wichtig ist aber auch die Frage, wie die CDU Volkspartei bleiben kann. Ehrlicherweise müssen wir eingestehen, dass das Wahlergebnis mit 33,8 Prozent für die Union das zweitschlechteste ihrer Geschichte ist. Und Inhalte sind wichtig. Wir wollen der CDU für die Koalitionverhandlungen einiges mit auf dem Weg geben, was die junge Generation von einer schwarz-gelben Regierung erwartet.

Was wäre das?

Zum Beispiel wollen wir eine Steuerreform mit niedrigeren Steuern und in den sozialen Sicherungssystemen muss generationengerecht reformiert werden. Das hätten wir Frau Merkel gerne persönlich gesagt.

Die Verhandlungen von CDU, CSU und FDP wirken zäh. Woran liegt das?

Das Selbstbewusstsein der FDP ist ordentlich gewachsen. Während die Liberalen deutlich zweistellig sind, liegt die Union bei Anfang 30 Prozent. Bei früheren Wahlen ist man mit rund 30 Prozent in die Opposition gegangen. Da sind wir wieder bei dem Punkt, dass die CDU deutlich mehr für ihr Profil tun muss. Die jetzige Schwäche der CDU führt auch dazu, dass wir auf viele Mandate verzichten müssen und in der Bevölkerung nicht mehr so breit verankert sind. Das ist der Beginn eines Erosionsprozesses, den wir aufhalten müssen.

Die JU steht als Nachwuchsorganisation für Aufbruch und Zukunftsorientierung. Versprüht Schwarz-Gelb dieses Signal?

Das hoffen wir! Wir müssen jetzt darum ringen, die notwendigen Reformen endlich auf den Weg zu bringen, damit wir uns auch weiterhin glaubhaft als gestaltende Kraft in Deutschland profilieren können.

Das Gespräch führte Lutz Haverkamp.

SVEN VOLMERING ist Chef der Jungen Union in NRW, die den Deutschlandtag am kommenden Wochenende in Münster veranstaltet. Deutschlandweit hat die JU rund 130 000 Mitglieder.

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