Synode in Rom : Katholische Bischöfe bleiben bei Familienfragen vage

Die Bischofssynode über Ehe und Familie äußert sich nicht direkt zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion.

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270 Bischöfe und Kardinäle waren zur Synode in Rom zusammengekommen.
270 Bischöfe und Kardinäle waren zur Synode in Rom zusammengekommen.Foto: AFP

„Viele Journalisten werden Schwierigkeiten haben herauszufinden, was die Botschaft der Synode ist und was ihre positiven Elemente waren.“ Dieses Fazit des Wiener Kardinal Christoph Schönborn vom Reformflügel der katholischen Kirche beschreibt gut das Ergebnis der römischen Welt-Bischofssynode zu Fragen der Ehe- und Familienmoral in Rom: Bereits vor der Schlussabstimmung am Samstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) zeichnete sich ab, dass es keine greifbaren Ergebnisse geben würde. Aus Schönborns Sicht besteht die Botschaft in einem „großen Ja zur Familie“. Er führte nicht aus, wo der Unterschied zur bisherigen Situation liegen könnte.

Für wiederverheiratete Geschiedene bleiben Beichte und Kommunion tabu

Genau bei den Themen, die ebenso öffentlichkeitswirksam wie strittig waren, gibt es – bis zu einem entscheidenden Wort des Papstes – keine Änderungen: Für wiederverheiratete Geschiedene bleiben Beichte und Kommunion tabu; das Thema sei „nicht direkt“ angesprochen worden, sagte Schönborn, sondern „obliquo“ – ein italienisches Wort, das sowohl „indirekt“ als auch „schief“ bedeuten kann. Geöffnet wird den in zweiter Ehe Lebenden, die zu den Sakramenten gehen wollen, zwar der  individuelle „Bußweg“ einer seelsorgerlich begleiteten Gewissensentscheidung, den nicht nur die dezidierten Reformer in der katholischen Kirche vorgeschlagen haben, sondern den – in der deutschsprachigen Arbeitsgruppe - sogar Gerhard Ludwig Müller als Chef der Glaubenskongregation unterschrieben hat. Aber dass dieser Weg zu Beichte und Kommunion führen kann, steht nirgends.

„Nicht viel“, so Schönborn, stehe im Abschlussdokument auch zu den Homosexuellen: „Viele werden enttäuscht sein.“ Da die „Familie“ – bestehend „aus einem für Leben offenen, einander lebenslang treuen Paar von Frau und Mann“ – das Thema der Synode gewesen sei, würden Homosexuelle genau in diesem Kontext behandelt: „als Mitglieder bestehender Familien“. Das heißt: Der Frage oder gar der Zulässigkeit eigenständiger homosexueller Lebensgemeinschaft haben sich die 270 Bischöfe und Kardinäle nicht gewidmet. Schönborn gibt zu, das Thema sei „in vielen Kreisen und Weltgegenden zu delikat“, und eine Synode müsse „das Ganze“ im Blick haben.

Seelsorger sollten nicht nur die Lehre im Kopf haben

Als Fortschritt in der Synodendiskussion bezeichnete es der Wiener Kardinal, dass auf den Spuren von Papst Franziskus bei allen Themen die „Unterscheidung“ vorgenommen als auch zur künftigen Pflicht gemacht worden sei. Das heißt: Seelsorger sollten nicht nur die Lehre im Kopf haben, sie müssten auch genauer hinsehen auf die konkrete Situation konkreter Menschen. Ein einfaches Verurteilen von Ehen ohne Trauschein, sagte Schönborn, sei nicht mehr möglich; die Kirche müsse genauer hinsehen, warum zwei Menschen nicht der Form nach heiraten wollten: “Oft steckt ja, gerade in den Wirtschaftskrisen der heutigen Zeit, ein Prekariat dahinter, ein unsicherer Arbeitsplatz, auf den man keine Familie bauen kann.“ Die Kirche müsse solche Paare „begleiten“, auch wenn sie – der Doktrin nach – in „irregulären Situationen“ leben. Schönborn gebrauchte mit “irregulären Situationen” eine hergebrachte Formulierung, von der Papst Franziskus ausdrücklich gesagt hat: „Sie gefällt mir nicht.“

Das Schlussdokument gibt den Bischöfen viel Freiraum

Das im Schlussdokument allgegenwärtige Schlüsselwort „Unterscheidung / discernimento“ gibt aber den Bischöfen viel Freiraum – entsprechend den Kulturen ihrer jeweiligen Länder. So jedenfalls interpretieren Beobachter die Tatsache, dass viele von den 248 Änderungswünschen des letzten Debattentages aus konservativen Kreisen kamen. Diese glaubten ihre Position also im Hintertreffen.
Die Entscheidung liegt nun bei Franziskus. Ausdrücklich wollte die Synode kein eigenständiges Papier vorlegen, sondern lediglich „Vorschläge an den Papst.“ Und immerhin, so kommentieren es Mitgliedes Reformflügels: „Sie haben dem Papst die Spielräume offen gehalten. Sie haben ihn nicht eingemauert.“

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