Synode sieht Informationsbedarf : Evangelische Kirche bei PID unentschieden

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ihre grundsätzliche Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik (PID) überdenken.

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Präsident Wulff im Gespräch mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Schneider. Foto: dapd
Präsident Wulff im Gespräch mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Schneider. Foto: dapdFoto: dapd

Hannover - In der Vergangenheit hatte sich die EKD mehrfach für ein Verbot der umstrittenen Untersuchungsmethode ausgesprochen, zuletzt 2003. Auf der Tagung der Synode der EKD, dem höchsten Kirchenparlament, waren sich Gegner und Befürworter der PID am Sonntag einig, dass man die Debatte neu aufrollen sollte. Mit der PID können in der Petrischale gezeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht und selektiert werden, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Einem strikten Verbot der PID könne er sich nicht anschließen, sagte der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Präses Nikolaus Schneider. Er habe Mitleid mit Eltern, die an schweren Erbkrankheiten leiden und die in ihrer Not die PID als Hilfe ansehen. Im Interesse der Eltern setze er sich für eine Neuaufnahme der ethischen Diskussion ein. Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich wie auch die Gruppe der Württemberger Kirchenparlamentarier sind hingegen für ein striktes Verbot, weil sie fürchten, dass in der Praxis Regelungen für Ausnahmefälle aufgeweicht würden. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, die Präses der EKD-Synode ist, ist überzeugt, „dass es extrem schwierig sein wird zu definieren, was schwere Erbkrankheiten sind“. Es bestehe „enormer Informationsbedarf“, bevor man sich eine abschließende Meinung bilden könne. Bischof Martin Hein aus Kurhessen-Waldeck forderte den Rat der EKD deshalb auf, sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass über die PID nicht schon dieses Jahr entschieden wird.

Einig waren sich die 126 Kirchenparlamentarier in ihrer Ablehnung der Atomkraft. Die Dauer der Strahlung der einzulagernden Brennelemente übersteige die menschliche Verantwortungsmöglichkeit, sagte Nikolaus Schneider. Einig war man sich auch in der Skepsis bezüglich des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr. Noch immer mangele es an einer klaren Zielsetzung, einem umfassenden Konzept und einer Ausstiegsstrategie, sagte Schneider. Deshalb sei der Einsatz ethisch nicht zu rechtfertigen. Auch sei fraglich, ob der im Frühjahr angekündigte Strategiewechsel „seinen Namen verdient“.

Die Synode der EKD tagt bis Mittwoch in Hannover. Das Treffen steht unter dem Motto „Niemand darf verloren gehen“. Am Montag geht es um Bildungsgerechtigkeit. Am Dienstag steht die Wahl des Ratsvorsitzenden an, bei der der ruhige und zurückhaltende Schneider als konkurrenzlos gilt. Er hatte das Amt vorübergehend übernommen, nachdem Bischöfin Margot Käßmann nach einer Alkoholfahrt im Februar von allen Ämtern zurückgetreten war. Claudia Keller

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