Syrien : Assad: Aus Feind wird Freund

Vermittler bei der Freilassung einer Französin im Iran, neuer Partner der irakischen Regierung: Warum Präsident Assad hofiert wird.

Martin Gehlen[Kairo]
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Gefragte Gastgeber. Asma und Bashar al Assad in Damaskus. Foto: pa/abacabAbaca

Viele wollen ihn sprechen – Baschar al Assad ist ein gefragter Mann. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bat ihn per Telefon um Hilfe und lobte danach ausdrücklich die Vermittlung „unserer befreundeten Nation Syrien“ bei der Freilassung der Sprachlehrerin Clotilde Reiss und der iranischen Botschaftsangestellten Nazak Afshar aus dem Teheraner Evin-Gefängnis. Iraks Premier Nuri al Maliki traf am Dienstag nach 30 Jahren politischer Eiszeit mit mehreren Ministern zu einem Besuch in Damaskus ein. Andere arabische Staaten wie Saudi-Arabien und Jordanien haben ebenfalls begonnen, ihre Beziehungen aufzutauen. Selbst Washington, das in der Ära von George W. Bush die außenpolitische Isolierung Syriens organisierte, befindet sich auf Annäherungskurs. Nahostemissär George Mitchell erschien bereits zweimal in Damaskus, zuletzt von Israel kommend. Ein neuer US-Botschafter soll nach vier Jahren Vakanz bald seine Arbeit aufnehmen. Der umgarnte Assad revanchierte sich mit einem Glückwunschtelegramm an Barack Obama zum amerikanischen Unabhängigkeitstag und legte per Fernsehinterview eine halb offizielle Einladung nach. „Wir würden ihn gerne in Syrien willkommen heißen. Aber es liegt an ihm“, sagte er.

Der Ton wird wärmer, die Zeiten von Pariastatus und diplomatischer Kontaktsperre sind vorbei, der politische Kurswert von Damaskus steigt. Erst vor einem Jahr hatte Sarkozy dem syrischen Staatschef zur Rückkehr auf die internationale Bühne verholfen, als er ihn am Nationalfeiertag 2008 zur Militärparade auf den Champs-Élysees einlud. Bald darauf startete Syrien unter türkischer Vermittlung Friedensgespräche mit Israel und tauschte mit dem Libanon Botschafter aus. Selbst bei den jüngsten Wahlen im Nachbarland hat sich Assad nicht erkennbar eingemischt, die Niederlage des von Damaskus favorisierten Hisbollah-Bündnisses akzeptiert. Und inzwischen lässt im Westen die schwere innenpolitische Krise in Teheran sogar die Hoffnung keimen, Syrien könne sich aus seiner engen Allianz mit dem Iran ein Stück weit herauslösen lassen. Noch in dieser Woche will Assad nach Angaben französischer Diplomaten nach Teheran reisen, als erster ausländischer Staatschef nach der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni. Angeblich würde er gerne Clotilde Reiss auf dem Rückweg ausfliegen – falls das iranische Regime seinem syrischen Vertrauten eine solche Retterrolle zugesteht, mit der er in Europa und den USA punkten kann.

Der Iraker Nuri al Maliki und Assad haben dagegen weniger Erfreuliches zu besprechen. Syrien ächzt unter der Last von mehr als einer Million irakischer Flüchtlinge, ohne dass Bagdad bisher irgendwelche Anstalten macht, diese Menschen zur Rückkehr zu motivieren. Syrien und die Türkei, beide Nationen am Oberlauf des Euphrat, zapfen dem Fluss inzwischen so viel Wasser ab, dass im Zweistromland die Felder vertrocknen. Über die 600 Kilometer lange Wüstengrenze sickern immer noch Gotteskämpfer ein, auch wenn die US-Militärführung davon spricht, dass ihre Zahl „erheblich gesunken“ sei. „Wir sind immer noch in Sorge über Syriens Rolle“, sagte kürzlich der US-Oberkommandierende, General Ray Odierno. Genauso sieht es Iraks Regierung.

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