Syrien : Assad rüstet sich für „Entscheidungsschlacht“ um Aleppo

05.08.2012 20:34 Uhr
Ein Soldat der "Freien Syrischen Armee" in Aleppo. Foto: Reuters
Ein Soldat der "Freien Syrischen Armee" in Aleppo. - Foto: Reuters

Während die syrische Armee in Aleppo zur Entscheidungsschlacht ruft, provozieren islamistische Rebellen Teheran mit der Entführung iranischer Pilger. Hat womöglich Saudi-Arabien die Finger im Spiel?

In der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo hat es auch am Sonntag wieder heftige Gefechte gegeben, die Zahl der Todesopfer seit Beginn des landesweiten Aufstandes gegen Staatschef Baschar al-Assad stieg nach Oppositionsangaben auf mehr als 21.000.

In Aleppo konzentrierten sich die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen der Freien Syrischen Armee auf den Stadtteil Salaheddin, der als Einfallstor in das Zentrum gilt. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London gab es außerdem Gefechte in drei weiteren Bezirken im Westen der 350 Kilometer nördlich von Damaskus gelegenen Stadt.

Nach Armeeangaben erhielten die 20.000 um Aleppo postierten Soldaten weitere Verstärkung.

„Die Truppen sind jetzt bereit für den entscheidenden Angriff, warten aber auf die Befehle“, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. „Der Krieg kann sich jedoch in die Länge ziehen, denn zur Vertreibung der Terroristen wird es Straßenkämpfe geben.“ Die eigentliche Schlacht um Aleppo stehe noch aus.

Zur Entlastung Aleppos greifen die Rebellen fast jede Nacht den nahegelegenen Militärflughafen Mannagh an, wo die Armee Hubschrauber stationniert hat. Die Kampfflugzeuge der Luftwaffe kommen unterdessen aus Idlib und anderen Regionen und nichts scheint sie aufhalten zu können. Der regierungsfeindliche Syrische Nationalrat beschuldigte die Armee, durch ihren Beschuss viele historische Bauten zu gefährden. Die Altstadt von Aleppo, eine der ältesten Städte der Welt, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Bildergalerie: Tage der Entscheidung in Syrien

Der Regierungszeitung „Al-Watan“ zufolge befinden sich „6000 bis 8000 Terroristen“ in Aleppo. Hunderte von ihnen seien getötet oder verletzt worden. Loyal zur Regierung stehende Einwohner beteiligten sich demnach an der Seite der Armee an den Kämpfen. Die Hauptstadt Damaskus befand sich am Sonntag nach Armeeangaben nach der Einnahme des Viertels Tadamun wieder vollständig unter Kontrolle der Streitkräfte.

Im vergangenen Monat wurden in Syrien nach Angaben der Beobachtungsstelle die meisten Menschen seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 getötet. Mindestens 4239 Menschen seien im Juli getötet worden. Die Gesamtzahl der Toten gab die Stelle nun mit mehr als 21.000 an. Von unabhängiger Seite konnten die Angaben nicht bestätigt werden.

Eine islamistische Aufständischen-Gruppe entführte derweil am Samstag in Damaskus 48 iranische Pilger, denen sie unterstellt, feindliche Agenten zu sein. Der Iran ist einer der engsten Verbündeten von Machthaber Baschar al-Assad - die Rebellen bekommen vom iranischen Erzrivalen Saudi-Arabien Geld und Waffen. Knapp 17 Monate Rebellion und die Sanktionen des Westens haben Syrien auch wirtschaftlich ausbluten lassen. Eine Delegation aus Damaskus sah sich inzwischen genötigt, in Moskau um Geld und Treibstoff zu bitten.

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