Syrien : Assad sucht angeblich Asylland

Syriens Machthaber Baschar al-Assad weiß offenbar selbst, dass er seine Haut nicht mehr retten kann und er Syriens Zukunft zerstört hat. Trotzdem sucht er angeblich in Lateinamerika nach einem Land, das ihm Asyl bietet.

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Syriens Machthaber Baschar al-Assad weiß offenbar selbst, dass er die Zukunft des Landes zerstört hat.
Syriens Machthaber Baschar al-Assad weiß offenbar selbst, dass er die Zukunft des Landes zerstört hat.Foto: dpa

Syriens Präsident ist längst Gefangener im eigenen Palast. Russische Besucher aus dem Kreml, die den einst allmächtigen Baschar al-Assad kürzlich besuchten, fanden ihn depressiv und in sich gekehrt vor. Der 47-Jährige weiß, dass er seine Haut nicht mehr retten kann, sein Regime den Kampf verloren und er Syriens Zukunft zerstört hat. „Er lebt in dem Gefühl, so oder so getötet zu werden“, erläuterte Fyodor Lukyanov, Herausgeber einer russischen Zeitschrift für Außenpolitik, gegenüber der „New York Times”. Assad stecke in der Falle, was sein persönliches Überleben angehe. „Versucht er zu fliehen, bringen ihn seine eigenen Leute um. Bleibt er dort, werden ihn seine Gegner töten.“ Vor einem Monat hatte der syrische Diktator in einem Interview mit einer russischen Zeitung dann auch öffentlich bekräftigt, er werde sich niemals ins Exil zwingen lassen und „in Syrien leben und sterben“.

Trotzdem schickte Assad offenbar in der vergangenen Woche seinen Vizeaußenminister nach Lateinamerika, um nach einem möglichen Asylland für sich und seine engste Familie zu suchen. Nach Informationen der israelischen Zeitung „Haaretz“ reiste Fayssal Mekdad nach Kuba, Nicaragua, Venezuela und Ecuador, mit im Gepäck jeweils persönliche Briefe Assads an die jeweiligen Staatschefs. Auch einige Länder der arabischen Welt hatten sich schon vor Monaten bereit erklärt, Assad Asyl zu gewähren. Die Vereinigten Staaten ließen durchblicken, sie seien über alle diese Bemühungen im Bilde. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dagegen unterstrich, er halte eine Asyl Assads nicht für den richtigen Weg, Syriens Bürgerkrieg zu beenden. Die Vereinten Nationen erlaubten in einem solchen Fall keine Straflosigkeit.

Von der engsten Familie Assads scheint nur noch Ehefrau Asma mit den drei Kindern in Damaskus zu sein. Aufgewachsen ist die 37-Jährige Tochter einer Diplomatin und eines Herzchirurgen in London, studierte Informatik und Französische Literatur am „King’s College“ und arbeitete danach als Bankerin, unter anderem in Paris und New York. Ihre syrische Verwandtschaft in der Stadt Homs kannte sie zunächst nur von gelegentlichen Ferienbesuchen, im Jahr 2000 nach der Hochzeit zog sie dann nach Syrien. Anders als Ehefrau Asma, haben sich Assads Mutter und seine Schwester Bushra bereits vor drei Monaten nach Dubai abgesetzt. Bushras Mann Assef Shawqat war bei dem schweren Bombenanschlag auf die Regimespitze Mitte Juli in Damaskus getötet worden. Assads jüngerem Bruder Maher wurde damals ein Bein abgerissen. Er wird seitdem angeblich in Moskau medizinisch versorgt.

41.000 Menschen hat der Bürgerkrieg bisher das Leben gekostet, viele tausend sind vermisst, zehntausende in den Folterkellern des Regimes gefangen. Mehr als drei Millionen Syrer sind innerhalb der Landesgrenzen als Flüchtlinge unterwegs oder haben in den Nachbarstaaten Türkei, Irak, Libanon, Jordanien und Ägypten Zuflucht gesucht.

Vor einer Woche warnte UN-Vermittler Lakhdar Brahimi noch einmal eindringlich davor, Syrien werde zu einem „gescheiterten Staat“ werden, wenn es nicht bald zu politischen Verhandlungen über einen Machttransfer komme. Ein chaotischer Zusammenbruch des Regimes werde „verheerende Konsequenzen für die ganze Region haben“, zu Anarchie, Bandenherrschaft, Drogen- und Waffenhandel führen und – als schlimmstem von allem – zu ethnischen Kämpfen.

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