Syrien : Assads Truppen drängen Rebellen zurück

Das Ende des Assad-Regimes scheint eine Frage der Zeit. An diesem Samstag machen die Regierungstruppen aber wieder Fortschritte und nehmen wichtige Stadtteile in Damaskus ein. Währenddessen fliehen zehntausende Menschen in die Nachbarländer.

Dieses Bild aus einem Amateurvideo soll die Kämpfe in der Stadt Homs zeigen.
Dieses Bild aus einem Amateurvideo soll die Kämpfe in der Stadt Homs zeigen.Foto: dapd

In Syrien haben Aufständische und Regierungstruppen am Samstag weiter um die Kontrolle der Großstädte Damaskus und Aleppo gerungen. In der Hauptstadt Damaskus seien in der Nacht zwei Viertel von der Armee beschossen worden, berichtete die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, hielten die Gefechte demnach den zweiten Tag in Folge an.

In Damaskus wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle die südlichen Viertel Kadam und Assali in der Nacht zu Samstag von dem Truppen von Präsident Baschar al Assad beschossen. Die Armee ist demnach zudem in die Stadtteile Dschobar im Osten und Kafar Susse im Südwesten eingedrungen. Anwohner berichteten von Kämpfen in weiteren Stadtteilen. In ruhigeren Vierteln blieb die Lage am Samstagmorgen höchst angespannt, auf den Straßen waren wenige Autos unterwegs.

Die syrischen Streitkräfte hatten am Freitag in Damaskus eine Gegenoffensive gegen die Rebellen gestartet und nach heftigen Kämpfen die Kontrolle über das Viertel Midan übernommen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kontrolliert die Armee inzwischen auch die Stadtteile Tadamun, Kabun und Barse.

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Tage der Entscheidung in Syrien
Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO zwischen den syrischen Aufständischen und dem Assad-Regime vermitteln.Weitere Bilder anzeigen
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17.08.2012 18:21Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO...

Die oppositionellen Örtlichen Koordinationskomitees (LCC) der Protestbewegung erklärten, Einwohner des Viertels Salaheddin in der Wirtschaftsmetropole Aleppo seien vor den Kämpfen auf der Flucht. In Aleppo hatte sich der Widerstand gegen Assad erst in den vergangenen Monaten gebildet, nach Beginn der Revolte im März 2011 war es dort lange Zeit ruhig geblieben. Inzwischen gilt die Universität als Zentrum der Widerstandsbewegung der Stadt. Die Kämpfe in Aleppo begannen wenige Tage, nachdem die Rebellen am Dienstag die „Schlacht der Befreiung“ von Damaskus ausriefen.

Auch in anderen Landesteilen hielt die Gewalt an. Die Beobachtungsstelle berichtete von Kämpfen in der Aufständischen-Hochburg Homs und in Deir Essor im Osten Syriens. Laut der Beobachtungsstelle waren am Freitag landesweit 233 Menschen getötet worden - 153 Zivilisten, 43 Soldaten und 37 Rebellen. Seit Beginn der Gewalt in Syrien sollen mehr als 17.000 Menschen getötet worden sein.

Video: Assad zeigt sich im Staatsfernsehen

Vor den Kämpfen fliehen tausende Menschen in die Nachbarstaaten. „Wir sind inmitten der Bombardements geflohen“, sagte ein Händler aus dem Viertel Midan in Damaskus, der die Grenze zum Libanon in Masnaa passierte. „Es herrscht ein richtiger Krieg.“ Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge flohen während der Kämpfe in Damaskus binnen 48 Stunden zwischen 8.500 und 30.000 Menschen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sprach von „mehr als 18.000“ Flüchtlingen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warf der syrischen Führung am Samstag bei einem Kroatien-Besuch vor, Zivilisten nicht zu schützen. Er sei „zutiefst erschüttert über die steigende Zahl von Toten und von Menschen die gezwungen sind, aus ihren Häusern zu fliehen“.

Die Lage an der syrisch-irakischen Grenze war am Samstag unübersichtlich. Der irakische Vize-Innenminister Adnan al Assadi sagte, die syrischen Rebellen hätten die Kontrolle über einen der drei Hauptgrenzübergänge. Am Donnerstag hatte er noch gesagt, die Rebellen würden die gesamte Grenze kontrollieren. Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki richtete derweil einen dringenden Appell an die UNO zum Schutz der Iraker in Syrien. (AFP)

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