Syrien : Gewalt bei Beerdigung in Damaskus - USA schicken Drohnen

Einen Militäreinsatz schließen die USA aus. Doch US-Drohnen für Aufklärungszwecke kreisen bereits über Syrien. Bringen sie das Regime zur Räson?

18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Die USA setzen nach einem Medienbericht unbemannte Flugzeuge über Syrien ein. „Eine ganze Reihe“ von Drohnen beobachte Angriffe der syrischen Armee auf die Oppositionsbewegung und Zivilisten, berichtete NBC News am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Mitarbeiter im US-Verteidigungsministerium. Außerdem solle die Kommunikation im syrischen Militär und der Regierung aufgezeichnet werden. Die Luftüberwachung sei aber keine Vorbereitung für einen Militäreinsatz der USA gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

Die Gewalt in Syrien erfasst nun auch immer mehr die Hauptstadt Damaskus. Aktivisten berichteten, am Samstag hätten Angehörige der Sicherheitskräfte im Stadtteil Messe das Feuer auf einen Trauerzug eröffnet. “Die Menschen rennen weg, sie suchen Schutz in den Gassen“, sagte ein Zeuge aus dem Stadtteil Messe der Nachrichtenagentur Reuters. In dem Bezirk habe ein Trauerzug mit etwa 30.000 Teilnehmern für drei Jugendliche stattgefunden, die am Vortag bei Massenprotesten getötet worden seien. Das Militär versuche, mit den Schüssen die Menge auseinanderzutreiben. Ein Teilnehmer der Trauergemeinde sei erschossen worden. Eine Frau sei am Kopf getroffen worden. Mehrere Menschen hätten durch ein von den Angreifern eingesetztes Gas im Gesicht Verätzungen erlitten.

Im Stadtteil Masseh sind zahlreiche Botschaften, Regierungsgebäude sowie die Redaktionen mehrerer staatlicher Zeitungen untergebracht. Laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es in dem Viertel am Samstag Durchsuchungen und Festnahmen.

In der Hauptstadt hatte es bisher hauptsächlich Kundgebungen für Präsident Baschar al-Assad gegeben. Inzwischen hat sich dies aber offenbar geändert: Nach Angaben der Opposition gab es in Damaskus am Freitag 49 Demonstrationen. Dabei wurden vier Menschen von Sicherheitskräften getötet.

In Damaskus und Aleppo, den beiden größten Städten des Landes, war es in den ersten Monaten des Aufstandes gegen Assad, der im März 2011 begonnen hatte, relativ ruhig geblieben. Erst in den letzten Wochen nahmen die Protestaktionen und Zusammenstöße in den beiden Städten zu.

Aktivisten veröffentlichten ein Video, das angeblich eine in Damaskus neu gegründete Brigade von Deserteuren mit dem Namen „Märtyrer der Hauptstadt“ zeigt. Der Anführer der komplett vermummten kleinen Gruppe sagt in dem Video, sein Trupp sei Teil einer größeren Brigade, die sich dem Kommando der Freien Syrischen Armee unter Oberst Riad al-Asaad unterstellt habe.

Assad traf am Samstag mit dem chinesischen Vize-Außenminister Zhai Jun zusammen, der ihn aufforderte, echte Reformen einzuleiten. Das für kommenden Freitag geplante Verfassungsreferendum könne ein erster Schritt sein, erklärte der chinesische Gast nach dem Gespräch. Er forderte die Konfliktparteien auf, ihre Angriffe einzustellen. Vor seiner Abreise wollte er noch mit Vertretern der sogenannten legalen Opposition in Damaskus zusammentreten. Einer dieser Oppositionellen sagte, absolute Priorität habe für sie die Beendigung der Gewalt durch das Regime.

Syrische Aktivisten berichteten, die Armee habe am Samstag erneut die Stadt Homs unter Beschuss genommen. Razzien und Festnahmen wurden unter anderem aus Deir as-Saur und Daraa gemeldet. (dpa/rtr/AFP)

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