Syrien : Im Zentrum der Gewalt

28.01.2012 00:00 Uhrvon
  • Damaskus, am 10. Mai 2012: Die syrische Hauptstadt erlebt eine neue Welle der Gewalt. Die Explosion vor einem berüchtigten Foltergefängnis hat einen tiefen Krater in die Straße... - Foto: Reuters
  • Die Regierung spricht von einem Selbstmordanschlag. Kurz zuvor explodierte ein zweiter, kleinerer Sprengsatz. - Foto: AFP
  • 70 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet. Die meisten Opfer seien Angehörige der Sicherheitskräfte. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. - Foto: AFP

Die Proteste in Syrien haben die Hauptstadt Damaskus erreicht. Und nur Stunden bevor der UN-Sicherheitsrat tagt, sterben Dutzende im ganzen Land.

Die ganze Nacht waren Gewehrfeuer und Granatenexplosionen bis ins Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus zu hören. In der Trabantenstadt Douma – 16 Kilometer entfernt – lieferten sich bewaffnete Aufständische und Einheiten der syrischen Armee erbitterte Gefechte. Anfang der Woche hatte die „Freie Syrische Armee“ den Stadtteil schon einmal für zehn Stunden unter ihre Kontrolle gebracht. Im Gegenschlag durchkämmten nun regimetreue Truppen die Straßen, Sonderkommandos durchsuchten Wohnungen. Mindestens 200 Menschen wurden nach Angaben der in London arbeitenden „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ festgenommen.

Der Stadtteil, in dem es während der letzten Wochen regelmäßig große Kundgebungen gegen das Regime gab, war am Freitag hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. „Die Menschen verstecken sich in ihren Wohnungen, aus den Lautsprechern der Moscheen ertönen spezielle Gebete“, berichtete ein Bewohner.

Damit nun ist der Aufstand von den Städten in Mittelsyrien und an der Küste nun auch vor der Haustüre des Assad-Machtzentrums in Damaskus angekommen. Die meisten Städtchen und Dörfer in der Provinz Damaskus sind bereits fest in der Hand der Rebellen. Die Gewalt im Land habe in den letzten drei Tagen „signifikant zugenommen“, erklärte der Chef der arabischen Beobachter-Mission, der sudanesische General Mohammed Ahmed Mustafa al Dabi.

Gleichzeitig wächst der internationale Druck, nicht nur auf Syrien, sondern auch auf seine Verbündeten Russland und China, die bisher jede Resolution gegen das Assad-Regime im UN-Sicherheitsrat blockieren. Wenige Stunden vor Beginn der UN-Sicherheitsratssitzung zu Syrien am Freitag hat Russland seine Ablehnung jeder Resolution mit Aufforderungen zum Rücktritt von Präsident Baschar al Assad noch einmal bekräftigt.

Marokko hatte an diesem Tag einen neuen Resolutionsentwurf kursieren lassen, der zwischen den arabischen und europäischen Staaten abgestimmt ist. Noch am Freitag wollte Marokko die Resolution in den Sicherheitsrat einbringen. Nach Angaben des TV-Senders Al Arabiya verurteilt der Text die „groben Verletzungen von Menschenrechten und fundamentalen Freiheiten“ durch das syrische Regime, ohne jedoch mit Sanktionen zu drohen. Die Resolution fordert Präsident Assad auf, in den nächsten beiden Monaten die Macht an seinen Vizepräsidenten zu übergeben, den Weg für eine Nationale Übergangsregierung frei zu machen und Parlamentswahlen auszuschreiben. Diese drei Forderungen hatten die Außenminister der Arabischen Liga bereits letzte Woche an das Regime in Damaskus gerichtet, was den Vorstoß als „ausländische Verschwörung“ und „Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens“ zurückwies.

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