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Syrien : Jordanischer Kampfjet abgestürzt, USA dementieren Abschuss

IS-Kämpfer haben erstmals einen Kampfjet der von den USA angeführten internationalen Koalition abgeschossen. Die Koalition gegen IS sagt, das Flugzeug sei abgestürzt. Der jordanische Pilot wurde als Geisel genommen.

Diese aus einem Video der Terrormiliz IS entnommene Bild soll IS-Kämpfer mit den Wrackteilen des von ihnen abgeschossenen Flugzeugs zeigen.
Diese aus einem Video der Terrormiliz IS entnommene Bild soll IS-Kämpfer mit den Wrackteilen des von ihnen abgeschossenen...Foto: AFP

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach übereinstimmenden Angaben aus jordanischen Militärkreisen und von Aktivisten im Norden Syriens ein Kampfflugzeug der internationalen Anti-IS-Koalition abgeschossen. Die amtliche jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtete am Mittwoch unter Berufung auf eine Quelle in der Militärführung, dass eine jordanische Maschine bei der ostsyrischen Stadt Rakka abgeschossen und ein Pilot vom IS als Geisel genommen worden sei. IS-Kämpfer zeigten Bilder von sich bei der Geiselnahme.

"Während eines Einsatzes mehrerer Maschinen der jordanischen Luftwaffe am Mittwochmorgen gegen Stellungen der Terrororganisation IS in der syrischen Region Raka ist eine unserer Maschinen abgestürzt und der Pilot von der Terrororganisation IS als Geisel genommen worden", zitierte Petra die Quelle aus dem Generalstab. Der IS trage die Verantwortung für Sicherheit und Leben des Piloten.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete nach "bestätigten Berichten" den Abschuss eines Kampfflugzeugs der internationalen Anti-IS-Koalition bei Raka; IS-Kämpfer hielten einen arabischen Piloten gefangen. Raka ist die Stadt, die vom IS in Syrien zu seiner Hauptstadt erklärt wurde.

Sprecher der jordanischen und der US-Regierung sprachen allerdings von der Möglichkeit eines technischen Fehlers. Es sei nicht sicher, dass das Flugzeug abgeschossen wurde.

Der Vater des Piloten hofft auf den jordanischen König

Der IS erklärte, das Kampfflugzeug mit einer Abwehrrakete mit Hitzesuchsensoren abgeschossen zu haben. Die Miliz in Raka veröffentlichte auf dschihadistischen Websites Fotos, die einen jordanischen Piloten zeigen sollen. Mehrere der Aufnahmen zeigen den Piloten nur in einem weißen T-Shirt statt Uniform, wie vier Männer ihn aus einem Gewässer holen; auf anderen ist er an Land zu sehen, umstellt von rund einem dutzend Bewaffneten. Ein Foto wiederum zeigt den angeblichen Armeeausweis der Geisel: Demnach handelt es sich um den 1988 geborenen Maas al-Kassasbeh.

Der Vater der Geisel, Jussef Kassasbeh, sagte der jordanischen Nachrichtenwebsite Saraja, er sei von der Luftwaffe über die Gefangennahme seines Sohnes informiert worden. Die Luftwaffenführung habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass daran gearbeitet werde, das Leben seines Sohnes "zu retten". König Abdullah II. verfolge die Angelegenheit und "will das Leben Ihres Sohnes retten", zitierte der Vater demnach aus dem Telefonat. Der Vater bat den IS "Gnade" walten zu lassen und seinen Sohn "freizulassen".

Die US-Regierung hatte im September mit Unterstützung verbündeter arabischer Staaten Luftangriffe auf Stellungen und Fahrzeuge der IS-Miliz im Norden und Osten Syriens begonnen, um einen weiteren Vormarsch der Dschihadisten zu verhindern. Auch im Irak fliegen die USA sowie verbündete westliche Staaten seit dem Sommer Angriffe auf die Dschihadisten. Der IS betrachtet die arabischen Unterstützerstaaten der Militärkampagne als Verräter und Vasallen der USA.

Im Irak riss unterdessen ein Selbstmordattentäter mindestens 26 Menschen mit in den Tod. Mindestens 56 weitere Menschen wurden verletzt, als der Attentäter seine Bombe bei einem Militärstützpunkt im Süden von Bagdad zündete, wie Behördenvertreter am Mittwoch sagten. Bei dem Stützpunkt Madain hatten sich Kämpfer der sunnitischen Sahwa-Miliz versammelt, die gegen die ebenfalls sunnitische Dschihadistenmiliz IS kämpfen und gerade ihren Sold abholen wollten. Unklar war zunächst, wie viele der Opfer Sahwa-Milizionäre waren. Zunächst bekannt sich niemand zu der Tat.

(TSP mit AFP, Reuters)

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