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Syrien : Mindestens 60.000 Tote seit Beginn des Krieges

03.01.2013 10:52 Uhr
Ein von Rebellen getöteter syrischer Soldat nahe Aleppo. 60.000 Opfer hat der Bürgerkrieg bereits gebracht.Bild vergrößern
Ein von Rebellen getöteter syrischer Soldat nahe Aleppo. 60.000 Opfer hat der Bürgerkrieg bereits gebracht. - Foto: dpa

Das UN-Kommissariat für Menschenrechte schätzte die Bürgerkriegstoten aus mehreren Quellen - geht aber von einer höheren Dunkelziffer aus. Regierungstruppen wie Rebellen würden "schwerste Verbrechen" verüben. Unterdessen wurde ein US-Journalist im Land verschleppt.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat nach UN-Angaben schon mindestens 60.000 Menschen das Leben gekostet. Dies hätten Erhebungen von Experten ergeben, teilte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Mittwoch in Genf mit. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete zudem, am Mittwoch seien 220 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 46 Angehörige der Regierungstruppen. Am Donnerstag zählten die Oppositionellen bis zum Vormittag landesweit 14 Opfer. Die meisten von ihnen starben den Angaben zufolge in der Provinz Daraa und bei Angriffen in den Vororten der Hauptstadt Damaskus.

Die UN-Hochkommissarin machte vor allem das Assad-Regime, aber auch die Rebellen für das Töten verantwortlich.

„Dieser gewaltige Verlust an Menschenleben hätte vermieden werden können, wenn die syrische Regierung einen anderen Weg eingeschlagen hätte als den der skrupellosen Unterdrückung der anfangs friedlichen und legitimen Proteste unbewaffneter Zivilisten“, erklärte Pillay. Später seien auch immer mehr Menschen durch regierungsfeindliche bewaffnete Gruppen getötet worden. „Schwerste Verbrechen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden von beiden Seiten verübt.“

Die vom UN-Kommissariat für Menschenrechte beauftragten Experten ermittelten für den Zeitraum zwischen dem 15. März 2011 und dem 30. November 2012 aus sieben verschiedenen Quellen 59 648 Menschen, die durch den Krieg umgekommen seien. „Da die Kämpfe seit Ende November nicht nachgelassen haben, können wir davon ausgehen, dass die Zahl der Opfer noch viel höher ist“, sagte Pillay. Zudem wurden in die Liste nur Opfer aufgenommen, die nach als glaubwürdig eingestuften Berichten mit Namen sowie mit Datum und Ort ihres Sterbens erfasst werden konnten.

Unterdessen wurde bekannt, dass der freiberuflich arbeitende US-Journalist James Foley in Syrien entführt worden ist. Wie seine Familie erst am Mittwoch mitteilte, wurde Foley bereits am 22. November im Nordwesten Syriens von Bewaffneten verschleppt. Die Entführer konnten bisher nicht identifiziert werden - von Foley fehlt seit sechs Wochen jedes Lebenszeichen. Foley war bereits 2011 in Libyen entführt worden und wurde im Mai 2011 mit drei anderen Journalisten wieder freigelassen.

Die Gewalt in Syrien hatte im März 2011 mit Schüssen auf Demonstranten in der Provinz Daraa begonnen. Im Sommer 2011 formierten sich erste bewaffnete Verbände von Aufständischen. Je größer die militärische Schlagkraft der syrischen Rebellen wird, desto brutaler geht die reguläre Armee vor. Am Mittwoch meldeten die Regimegegner Luftangriffe auf mehrere Vororte der Hauptstadt Damaskus mit zahlreichen zivilen Opfern. In der Ortschaft Muadhamijat asch-Scham sollen bei einem Angriff auf eine Bäckerei elf Angehörige einer Familie und ein bislang nicht identifizierter Mann ums Leben gekommen sein. Unter den Opfern seien neun Kinder, hieß es. In Al-Ghuta Asch-Scharqija wurde eine Tankstelle getroffen. Die Regimegegner stellten ein Video ins Internet, das die brennende Tankstelle zeigt.

Die Rebellen attackierten unterdessen zwei Stützpunkte der Armee in der Provinz Daraa sowie den Militärflughafen Taftanas in der Provinz Idlib - eine der letzten Bastionen der Regierungstruppen in der Provinz. Aktivisten in Idlib berichteten, während der Kämpfe in der Nähe des Flughafens seien mehrere Soldaten am Mittwoch mit einem Panzer zu den Rebellen übergelaufen. Nach Angaben der Regimegegner war an den Kämpfen die radikalislamische An-Nusra-Front beteiligt. Ein General und sieben weitere Offiziere setzten sich unterdessen nach Jordanien ab. (dpa)

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Sie waren zusammen im Afghanistan-Einsatz. Jetzt sitzen sie auf entscheidenden Posten im Ministerium. Sie prägen das Bild, das sich die Ministerin macht. Sie bestimmen Ausrichtung, Struktur und Selbstverständnis der Truppe. Welche Folgen hat das für Deutschlands Sicherheit?
Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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