Syrien : USA bestätigen Hubschrauberangriff auf Dorf

Nach einiger Verzögerung bestätigt die USA den Einsatz eines Elitekommandos im syrischen Hoheitsgebiet. Dabei wurden acht Zivilisten erschossen. Die Arabische Liga hält die Situation für hochexplosiv.

Syrien
Der Syrische Außenminister Walid al-Moallem (l.): "Die USA betreiben Cowboy-Politik." -Foto: dpa

Bagdad/WashingtonDie USA haben einen Hubschrauberangriff in Syrien bestätigt, bei dem nach syrischen Angaben acht Menschen ums Leben kamen. US-Streitkräfte seien am Sonntag in syrisches Gebiet vorgedrungen, sagte ein Regierungsvertreter, der ungenannt bleiben wollte, am Montag in Washington. Der Einsatz gegen ausländische Kämpfer sei "erfolgreich" gewesen. Zuvor hatte die irakische Regierung mitgeteilt, der Angriff auf ein syrisches Dorf sei gegen Aufständische und Terroristen gerichtet gewesen. Syrien protestierte gegen den Einsatz und bestellte die diplomatischen Vertreter der USA und des Irak ein.

Offiziellen syrischen Angaben zufolge waren US-Soldaten am Sonntag mit vier Hubschraubern in einem Dorf an der Grenze zum Irak gelandet und hatten dort acht Menschen getötet.  Die Soldaten hätten ein im Bau befindliches ziviles Gebäude angegriffen und auf die  Bauarbeiter geschossen. Unter den Opfern befanden sich vier Kinder. Anschließend hätten die Helikopter Syrien in Richtung Irak verlassen. Bewohner des Dorfes Al-Sukkarija, das acht Kilometer von der Grenze entfernt liegt, bestätigten diese Angaben im Großen und Ganzen. Sie sagten jedoch, es seien nur sieben syrische Zivilisten getötet worden. Ein weiterer Mann sei von den Soldaten nach der Kommandoaktion in dem acht Kilometer von der irakischen Grenze entfernten Dorf "verschleppt worden".

Bagdad war über den Einsatz informiert

Der Regierungsvertreter in Washington war der erste US-Offizielle, der sich zu dem Vorfall äußerte. Die US-geführten Koalitionstruppen im Irak hatten zuvor auf Anfrage erklärt, sie hätten "keinerlei Informationen" über den Vorfall. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, hatte die syrischen Vorwürfe zunächst nicht kommentieren wollen.

Iraks Regierungssprecher Ali el Dabagh sagte in Bagdad, in dem angegriffenen Gebiet seien Aufständische aktiv, die Syrien als Basis für Aktionen gegen den Irak nutzten. Erst kürzlich hätten Rebellen 19 irakische Sicherheitskräfte im syrisch-irakischen Grenzgebiet getötet. Die irakische Regierung habe wegen des Angriffs mit den USA in Verbindung gestanden.

"Die irakische Verfassung erlaubt nicht, dass von unserem Staatsgebiet aus Nachbarstaaten angegriffen werden", sagte der
irakische Abgeordnete Osama al-Nadschafi. Der sunnitische Parlamentarier, der zur oppositionellen säkularen Partei Nationale Liste gehört, forderte die Regierung und das US-Militär auf, den Vorfall aufzuklären. In der Provinz Deir al-Zor, in der das von den US-Soldaten angegriffene Gebäude liegt, leben vorwiegend Angehörige von Stämmen, die auch jenseits der Grenze im Irak siedeln.

Syrien bestellt Botschafter ein

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim sagte am Montag am Rande eines Besuchs in London: "Das nennen wir bei uns Cowboy-Politik." Die syrische Regierung werde im Falle eines erneuten Angriffs von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen.

Syrien bestellte die diplomatischen Vertreter der USA und des Irak ein. Die staatliche syrische Zeitung "Techrin" bezeichnete den Vorfall als "Kriegsverbrechen" sowie als "kaltblütigen Mord" und machte die US-Regierung unter Präsident George W. Bush für den Angriff verantwortlich. Aber nicht nur die USA seien Schuld am Tod der acht syrischen Zivilisten, sondern auch die irakische Regierung.

In der syrischen Kleinstadt Al-Bukamal wurden am Montag nach Angaben von Augenzeugen sieben Opfer der Kommandoaktion vom Vortag beigesetzt. Die Trauergäste, zu denen auch einige Mitglieder der regierenden Baath-Partei gehörten, verbrannten amerikanische Flaggen aus Pappe. Sie riefen Parolen gegen die USA und Israel.

Arabische Liga: Situation in Nahost hochexplosiv

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums sprach von einem Besorgnis erregenden einseitigen Gewaltakt. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, warnte, die Situation in der Nahost- Region sei ohnehin schon hochexplosiv, "da brauchen wir keinen zusätzlichen Sprengstoff." Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte den Angriff als gefährliche und inakzeptable "Verletzung der syrischen Souveränität". Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas sprach von einem "barbarischen Angriff".

Die US-Regierung wirft Syrien vor, Zufluchtsort für "ausländische Terroristen" zu sein, die im Irak gegen die US-Streitkräfte kämpfen wollten. Mitte Oktober hatten irakische Behörden die Festnahme von 16 "syrischen Terroristen" in der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad bekannt gegeben. Ein ranghoher Beamter des US-Außenministeriums hatte in der vergangenen Woche in einem Interview mit einer arabischen Tageszeitung erklärt, Washington halte im Gegensatz zu einigen europäischen Staaten an seiner Politik der Isolation gegenüber Syrien fest. Syrien müsse mehr tun, um das Eindringen von Terroristen in den Irak zu verhindern. (ml/AFP/dpa)

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