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Syrienkrieg : Waffenruhe bei Damaskus hält nur einen Tag

Vor der Friedenskonferenz in Genf arbeitet die syrische Regierung neue Deals mit Russland aus: Beide Staaten wollen gemeinsam die Ölvorkommen im Mittelmeer ausbeuten. Und mit den Rebellen verhandelte das Regime einen Waffenstillstand für einen Ort nahe Damaskus. Sie hielt einen Tag.

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Eine Syrerin kämpft im Bürgerkrieg auf der Seite der Rebellen
Eine Syrerin kämpft im Bürgerkrieg auf der Seite der RebellenFoto: dpa

Seit fast drei Jahren steckt Syrien im Bürgerkrieg. Längst sind die Fronten unübersichtlich und schon lange kämpfen die Rebellen nicht nur gegen die  Armee von Machthaber Baschar al Assad  sondern auch gegen Islamisten, die Hoheitsansprüche im Land erheben. Während die Lage für Rebellen und  die Millionen Flüchtlinge an den Landesgrenzen  im syrischen Winter immer hoffnungsloser wird, arbeitet Assad daran, sein Machtgefüge wieder zu stabilisieren. Mit Russland hat die Regierung ein Abkommen zur gemeinsamen Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer unterzeichnet, mit Rebellentruppen einen Waffenstillstand für einen Damaszener Vorort beschlossen. Allerdings hat die vereinbarte Waffenruhe keine 24 Stunden gehalten.

Am Donnerstagnachmittag setzten Regierungstruppen und Rebellen ihre Gefechte in dem Vorort von Damaskus nämlich wieder fort. Die Opposition warf den Streitkräften dabei vor, sie hätten die Waffenruhe einseitig gebrochen. „Sie haben ohne Grund das Feuer mit schweren Maschinengewehren eröffnet“, sagte ein Aufständischer der Nachrichtenagentur AFP. Nach Rebellenangaben schickten die Regierungstruppen massive Verstärkungen nach Moadamijet al-Scham.


Warum Assad die Nähe zu Russland sucht

Noch im Januar soll in Genf die Syrienkonferenz über die Zukunft des Landes stattfinden: Es hat also seine Gründe, dass Assad den Dialog wie auch die Nähe zu Russland sucht. Das Abkommen zur Rohstoffförderung wurde am Mittwoch in Damaskus vom syrischen Ölminister Suleiman Abbas und Vertretern der syrischen General Petroleum Company und des russischen Sojusneftegas-Konzerns unterzeichnet. Die Kosten für Erforschung und Ausbeutung werden mit  100 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) angegeben. Das Abkommen soll nach Aussage von  Abbas über 25 Jahre laufen.

Es geht um  ein Meeresgebiet von 2190 Quadratkilometern vor der syrischen Küste. Der Küstenstreifen ist weitestgehend in Hand der Regierung; die Region um die Küstenstadt Lattakia gilt als Hochburg Assads. Auch für Russland könnte das Abkommen ein lukrativer Deal werden: Sollten Öl und Gas in größeren Mengen gefunden werden, werde Russland diese Kosten wieder hereinholen, sagte Ali Abbas von General Petroleum Company der Nachrichtenagentur AFP.

Aber auch für Syrien ist die Förderung wichtig. Seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 ist die Ölproduktion in Syrien offiziellen Angaben zufolge um 90 Prozent gefallen. Auch die Gasproduktion ist demnach von einst 30 Millionen auf 16,7 Millionen Kubikmeter pro Tag zurückgegangen. Der Öl- und Gasexport war eine wichtige Einkommensquelle für die  Regierung, die angesichts des völligen Kollapses der Wirtschaft infolge des Bürgerkriegs mit schweren Finanzproblemen kämpft.

Waffenruhe für einen einzigen Tag

Mit den Rebellen haben Regierungstruppen  am Mittwoch eine Waffenruhe für die seit einem Jahr belagerte Stadt Muadamidschat asch-Scham vereinbart. So sollen dringend benötigte Hilfslieferungen ermöglicht werden, wie ein Vertreter des oppositionellen Gemeinderats, Abu Malek, sagte. Schon am Mittwoch wurde Muadamidschat asch-Scham den Angaben zufolge zum ersten Mal seit Monaten nicht beschossen, die ersten Lebensmittellieferungen sollen die Stadt am Donnerstag erreichen.

Syriens Präsident Bashar al-Assad im Gebet: Gute Miene im bösen Krieg
Syriens Präsident Bashar al-Assad im Gebet: Gute Miene im bösen KriegFoto: dpa

Die Bevölkerung habe sich bereit erklärt, „als Geste des guten Willens“ auf den Wassertürmen der Stadt drei Tage lang die rot-schwarz-weiße syrische Flagge zu hissen, sagte Malek. Bisher hatten Rebellen die syrische Flagge durch eine ältere, grün-schwarz-weiße Flagge ersetzt, die Syrien in den 1950er Jahren trug. Die Flagge ist eine bewusste Abkehr vom Assad-Syrien seit 1982. Auch haben die Rebellen versprochen, ihre „schweren Waffen“ abzugeben.  Assad  Soldatens dürften die Stadt aber nicht betreten, hieß es. Syrische Regierungskreise bestätigten die Waffenruhe. Die Armee müsse die Stadt jedoch kontrollieren, um sicherzustellen, dass die Rebellen alle Waffen abgegeben hätten, hieß es in Damaskus. Muadamidschat asch-Scham liegt in der Nähe des Nasseh-Flughafens, nur gut zehn Kilometer von Damaskus entfernt.

Die Stadt zählte im August zu den Zielen von Angriffen mit Chemiewaffen. Menschenrechtsorganisationen hatten wiederholt auf die alarmierenden Zustände in der Stadt aufmerksam gemacht, in der es einen chronischen Mangel an Lebensmitteln und zahlreiche unterernährte Kinder gebe. Im Oktober wurden rund 3800 Zivilisten aus Muadamidschat asch-Scham in Sicherheit gebracht. (mit dpa/AFP)

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