Syriens Bürgerkrieg weitet sich aus : Libanon weiter in Unruhe

Syriens Bürgerkrieg zieht den Libanon immer tiefer mit hinein in den Strudel von Gewalt und Chaos. Sunnitische Assad-Gegner und alawitische Assad-Anhänger liefern sich blutige Kämpfe in der Küstenstadt Tripoli. Sie zeigen, wie tief das Land gespalten ist.

Martin Gehlen
In der libanesischen Küstenstadt Tripoli kämpfen Assad-Anhänger und -Gegner gegeneinander.
In der libanesischen Küstenstadt Tripoli kämpfen Assad-Anhänger und -Gegner gegeneinander.Foto: dpa

Trotz eines am Vortag vereinbarten Waffenstillstands kamen am Donnerstag bei Kämpfen in der libanesischen Küstenstadt Tripoli weitere Menschen ums Leben. Insgesamt sind bei Gefechten zwischen sunnitischen Assad-Gegnern des Viertels Bab el-Tebbaneh und Assad-Anhängern aus dem angrenzenden Alawiten-Viertel Jabal Mohsen seit Montag mindestens zwölf Personen gestorben. Mehr als 100 wurden verletzt, darunter 15 Soldaten – eine der bisher schwersten Gewaltausbrüche im Libanon seit Ende des Bürgerkriegs vor 20 Jahren. Die Kontrahenten setzten Maschinengewehre und Panzerfäuste ein. Bewaffnete auf Pick-ups mit aufgepflanzten Gewehren patrouillierten durch die Straßen. Zahlreiche Wohnhäuser wurden in Brand geschossen.

Libanon sunnitischer Premierminister Najib Mikati, der aus Tripoli stammt, warnte seine Landsleute „vor dem Versuch, den Libanon mehr und mehr in den syrischen Konflikt hineinzuziehen”. Er rief alle politischen Führer auf, zu kooperieren, „um diese Gefahr von Libanon abzuwenden“. Mikati steht an der Spitze einer pro-syrischen Regierungskoalition, die sich aus der Hisbollah, der schiitischen Amal, der Drusenpartei sowie pro-syrischen Christen zusammensetzt.

Bilder: Tage der Entscheidung in Syrien

Tage der Entscheidung in Syrien
Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO zwischen den syrischen Aufständischen und dem Assad-Regime vermitteln.Weitere Bilder anzeigen
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17.08.2012 18:21Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO...

Die in der „Allianz vom 14. März“ zusammengeschlossene sunnitische Opposition dagegen erklärte, Libanon befinde sich „am Rande des Zusammenbruchs“. Das Land sei nicht mehr in der Lage, die innere Sicherheit zu gewährleisten. Libanon ist tief gespalten in Gegner und Anhänger des Baath-Regimes in Damaskus. Die Sunniten unterstützen die Rebellen, Schiiten, Alawiten und Hisbollah dagegen stehen hinter Präsident Bashar al-Assad. Tripoli, wo eine kleine Minderheit von Alawiten lebt, gilt als Hochburg der Sunniten. Die Stadt ist nur 25 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt.

Video: Letzte UN-Beobachter verlassen Syrien

Wie brisant die Lage ist, zeigt auch die spektakuläre Verhaftung des pro-syrischen Ex-Informationsministers Michel Samaha vor zwei Wochen. Offenbar von einem Doppelagenten enttarnt, gestand Samaha, er persönlich habe in seinem Wagen Sprengstoff von Syrien nach Libanon geschmuggelt, mit dem Anschläge auf führende Politiker des Zedernstaates verübt werden sollten. Den Sprengstoff soll ihm General Ali Mamlouk ausgehändigt haben, seit vier Wochen Chef von Syriens Staatssicherheit und Nachfolger des Mitte Juli durch eine Bombe in Damaskus getöteten Generals Hisham Ikhtiyar. Politische Morde sind im Libanon ein häufiges Verbrechen. Bei dem bisher spektakulärsten Anschlag starb 2005 der frühere Ministerpräsident Rafik Hariri zusammen mit 22 Begleitern in Beirut durch eine Autobombe.

In Syrien gingen unterdessen die Kämpfe in Aleppo und Damaskus mit voller Härte weiter. Vor allem in der historischen Altstadt von Aleppo, die seit 1986 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, gab es stundenlange Feuergefechte. Wie der Fernsehsender „Al Arabiyya“ berichtete, setzte sich in der Nacht zu Donnerstag eine größere Gruppe hoher Offiziere nach Jordanien ab. Nach Angaben der „Freien Syrischen Armee“ kontrolliert das Regime nur noch 20 Prozent des syrischen Territoriums. Das sei der Grund, warum das Militär immer mehr auf Luftangriffe mit Kampfjets und Hubschraubern setze, sagte ein Sprecher.

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