Politik : Syriens neuer Staatschef: Bachar el Assad soll das Land führen

Birgit Bogler

Der Präsident ist tot - es lebe der Präsident. Die Ernennung Bachar el Assads zum neuen Staatschefs Syriens am 25. Juni durch die regierende Baath-Partei steht fest. Noch am Todestag seines Vaters Hafis el Assad änderte das Parlament in Damaskus die Verfassung und setzte das für das höchste Staatsamt notwendige Mindestalter von 40 auf 34 Jahre herab. Nur einen Tag später wurde Bachar zum Generalleutnant befördert, was ihm den Oberbefehl über die Armee sichert - zumindest die Voraussetzungen für eine neue Ära sind damit geschaffen, zumal auch das im März neugebildete Kabinett bereits deutlich Bachars Handschrift trägt.

Syriens künftiger starker Mann hatte ursprünglich keinen erkennbaren politischen Ehrgeiz. Nach dem Abitur studierte der am 11. September 1965 in Damaskus geborene zweite Sohn Assads Medizin und begann in Damaskus eine Ausbildung zum Augenarzt, die er in Großbritannien fortsetzte, bis er 1994 wegen des Unfalltodes seines älteren Bruders Bassil in die syrische Hauptstadt zurückgerufen wurde. Der Junggeselle, der neben Arabisch fließend Französisch und Englisch spricht, wurde seitdem konsequent und systematisch zum Nachfolger des Vaters aufgebaut. Auslandsreisen in arabische Länder, aber auch nach Paris folgten, auf denen er wichtige außenpolitische Erfahrungen sammeln konnte. Zugleich begann er eine Karriere beim Militär, die ihm 1999 den Rang eines Obersten bescherte, obgleich ihn, anders als seinen verstorbenen Bruder, die Armee eher weniger interessierte.

Bachars Hauptinteresse galt und gilt vielmehr der Modernisierung des Landes, der Einführung neuer Technologien und der Bekämpfung der Korruption. Als Schirmherr der von ihm gegründeten Syrischen Computergesellschaft, deren Zielsetzung vor allem in der Verbreitung und Vertiefung von Computerkenntnissen im Lande liegt, nahm Bachar offiziell die erste syrische Website in Betrieb und setzt sich seither mit Nachdruck für die flächendeckende Einführung des Internets ein. Zur Zeit haben nur Bewohner von Damaskus und Aleppo Zugang zum Internet - und auch hier nur privilegierte Kreise von Mittelstand und Oberschicht. Einen Ruf als Saubermann erwarb er sich zudem durch eine von ihm geleitete Anti-Korruptionskampagne, die auch vor Führungsfiguren nicht haltmachte, deren spektakulärstes Opfer der Ex-Ministerpräsident Zobhi wurde. Dies trug Bachar andererseits erhebliche und durchaus ehrliche Sympathie beim Mann auf der Straße ein - die "Bachar, Bachar"-Rufe der Menschen, die in der Damaszener Innenstadt sein Porträt schwenkten, waren nicht nur "bestellt", sondern auch spontan.

Die Voraussetzungen für einen Neuanfang in Syrien sind gegeben, eine Einschätzung, die auch in den anderen Hauptstädten des Nahen Ostens einschließlich Israels geteilt wird. Mit König Abdullah von Jordanien verbindet Bachar persönliche Freundschaft - inwieweit er sich mit persönlichen Feinden zu Hause auseinandersetzen muß, wird sich schon in Kürze zeigen. Seinem machthungrigen Onkel Rifaat el Assad, der schon einmal die Macht an sich reißen wollte und gegen die neue Führung jetzt einen Haftbefehl verhängt hat, werden auch weiterhin entsprechende Ambitionen nachgesagt, ebenso wie dem derzeit kaltgestellten Vizepräsidenten Abdel Halim Khaddam. Auch der Feldzug gegen Korruption bescherte Bachar neue Feinde, die immer noch durchaus einflussreich sind.

Primär wird Bachar sich freilich auf den derzeit auf Eis liegenden Friedensprozeß mit Israel konzentrieren müssen - die vollständige Rückgabe des von Israel besetzten Golans hatte sein Vater stets gefordert und daran, so jedenfalls glaubt der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat, werde wohl auch der Sohn nicht rütteln können.

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