Syrische Chemiewaffen : Assads letzter Trumpf?
23.07.2012 00:00 UhrAngeblich verfügt Syrien über das größte Arsenal an Chemiewaffen im Nahen Osten. Doch wie groß die Bestände genau sind und welche Gefahr von ihnen ausgeht, darüber sind sich auch Politiker, Militärs und Sicherheitsexperten nicht einig. Israel sieht sich dabei vor allem durch das Szenario bedroht, dass dem syrischen Regime die Kontrolle über diese Waffen entrissen werden könnte. Der politische Direktor im Verteidigungsministerium, Amos Gilad, erklärte am Wochenende, es sei zu befürchten, dass die Waffen in die Hände der Hisbollah, von Extremisten der Al Qaida oder anderer „unverantwortlicher Elemente“ in Syrien fielen. Derzeit schützten die Syrer die Arsenale jedoch noch so gut sie könnten.
Der von der syrischen Armee zu den Rebellen übergelaufene General Mustafa Scheich sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Führung in Damaskus treffe Vorbereitungen für den C-Waffen-Einsatz. Er berief sich auf Geheimdienst-Erkenntnisse der Rebellen. Die USA reagierten besorgt auf diese Warnung. Sie beobachten nach Angaben des US-Präsidialamtes sehr genau die syrischen Chemiewaffen-Lager. „Wir glauben, dass sich die syrischen Chemiewaffen-Lager weiterhin unter Kontrolle der syrischen Regierung befinden“, teilte Regierungssprecher Tommy Vietor am Samstag mit.
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Tage der Entscheidung in Syrien(29 Bilder)
Für viele alarmierend ist die Befürchtung, dass der um seine Macht, vielleicht gar um seine Existenz ringende Präsident Baschar al Assad die Chemiewaffen als letztes Mittel gegen die Rebellen im eigenen Land einsetzen könnte. Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS), will diese Möglichkeit nicht ausschließen: „Die Syrer sind in der Lage, chemische Kampfstoffe mit Artilleriegranaten, taktischen Raketen oder luftgestützten Munitionen zu verwenden. Sie könnten diese Waffen also theoretisch auch im Innern, im Kampf gegen die Rebellen einsetzen. Allerdings: Sie haben solche Waffen bereits seit den 70er Jahren und haben sie selbst in den Kriegen nicht eingesetzt, in denen sie von den Israelis besiegt wurden“, sagte Nassauer dem Tagesspiegel.
Dagegen rechnet Ejal Zisser vom Dajan-Zentrum für strategische Studien in Tel Aviv nicht damit, dass Chemiewaffen gegen die syrische Bevölkerung eingesetzt werden. Assad werde zwar alles tun, um zu überleben, sagte Zisser der Nachrichtenagentur dpa. „Aber sie kämpfen dort auf engstem Raum gegeneinander. Sollte die Armee etwa in Damaskus chemische Waffen einsetzen, würden sie auch den Präsidentenpalast erreichen.“ Solange Assad an der Macht sei, sei mit dem Einsatz von Chemiewaffen nicht zu rechnen“, erklärte Zisser.






































