Syrische Chemiewaffen : Assads letzter Trumpf?

Israel sieht sich von syrischen Chemiewaffen bedroht, auch gegen Aufständische könnten sie eingesetzt werden. Wie groß ist die Gefahr, die von diesen Beständen ausgeht?

von
Vor Aleppo. Schwer bewaffnete Rebellen patrouillieren vor der syrischen Stadt. Foto: dpa
Vor Aleppo. Schwer bewaffnete Rebellen patrouillieren vor der syrischen Stadt. Foto: dpaFoto: dpa

Angeblich verfügt Syrien über das größte Arsenal an Chemiewaffen im Nahen Osten. Doch wie groß die Bestände genau sind und welche Gefahr von ihnen ausgeht, darüber sind sich auch Politiker, Militärs und Sicherheitsexperten nicht einig. Israel sieht sich dabei vor allem durch das Szenario bedroht, dass dem syrischen Regime die Kontrolle über diese Waffen entrissen werden könnte. Der politische Direktor im Verteidigungsministerium, Amos Gilad, erklärte am Wochenende, es sei zu befürchten, dass die Waffen in die Hände der Hisbollah, von Extremisten der Al Qaida oder anderer „unverantwortlicher Elemente“ in Syrien fielen. Derzeit schützten die Syrer die Arsenale jedoch noch so gut sie könnten.

Der von der syrischen Armee zu den Rebellen übergelaufene General Mustafa Scheich sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Führung in Damaskus treffe Vorbereitungen für den C-Waffen-Einsatz. Er berief sich auf Geheimdienst-Erkenntnisse der Rebellen. Die USA reagierten besorgt auf diese Warnung. Sie beobachten nach Angaben des US-Präsidialamtes sehr genau die syrischen Chemiewaffen-Lager. „Wir glauben, dass sich die syrischen Chemiewaffen-Lager weiterhin unter Kontrolle der syrischen Regierung befinden“, teilte Regierungssprecher Tommy Vietor am Samstag mit.

Fotostrecke: Tage der Entscheidung in Syrien

Tage der Entscheidung in Syrien
Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO zwischen den syrischen Aufständischen und dem Assad-Regime vermitteln.Weitere Bilder anzeigen
1 von 29Foto: dpa
17.08.2012 18:21Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO...

Für viele alarmierend ist die Befürchtung, dass der um seine Macht, vielleicht gar um seine Existenz ringende Präsident Baschar al Assad die Chemiewaffen als letztes Mittel gegen die Rebellen im eigenen Land einsetzen könnte. Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS), will diese Möglichkeit nicht ausschließen: „Die Syrer sind in der Lage, chemische Kampfstoffe mit Artilleriegranaten, taktischen Raketen oder luftgestützten Munitionen zu verwenden. Sie könnten diese Waffen also theoretisch auch im Innern, im Kampf gegen die Rebellen einsetzen. Allerdings: Sie haben solche Waffen bereits seit den 70er Jahren und haben sie selbst in den Kriegen nicht eingesetzt, in denen sie von den Israelis besiegt wurden“, sagte Nassauer dem Tagesspiegel.

Dagegen rechnet Ejal Zisser vom Dajan-Zentrum für strategische Studien in Tel Aviv nicht damit, dass Chemiewaffen gegen die syrische Bevölkerung eingesetzt werden. Assad werde zwar alles tun, um zu überleben, sagte Zisser der Nachrichtenagentur dpa. „Aber sie kämpfen dort auf engstem Raum gegeneinander. Sollte die Armee etwa in Damaskus chemische Waffen einsetzen, würden sie auch den Präsidentenpalast erreichen.“ Solange Assad an der Macht sei, sei mit dem Einsatz von Chemiewaffen nicht zu rechnen“, erklärte Zisser.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben