SYRISCHER NATIONALRAT : „Das Regime provoziert einen Bürgerkrieg“

Der Arzt Shadi Junaid ist Mitglied des Syrischen Nationalrates, der größten syrischen Oppositionsgruppierung. Er lebt in Frankreich und hat während der Revolution längere Zeit in seiner Heimatstadt Deir al-Zor Proteste organisiert. Junaid befürchtet das Schlimmste.

Astrid Frefel

Setzt die syrische Opposition weiterhin auf einen gewaltfreien Sturz des Assad-Regimes?

Ja, aber je länger die internationale Gemeinschaft wartet, bis sie mit dem Schutz der Zivilbevölkerung ernst macht, desto mehr werden die Menschen gedrängt, zu den Waffen zu greifen. Es sterben jeden Tag 20 bis 30 Personen, es gibt Verhaftungen und Verwundete. In den Krankenhäusern geschehen zudem schlimme Verstümmelungen; anstatt nur die Kugeln aus dem Bein zu entfernen, werden etwa ohne Not auch Amputationen vorgenommen.

Was müsste geschehen, um die Gewalt zu beenden?

Dem Assad-Regime müsste die Legitimation entzogen und der Syrische Nationalrat als einziger Ansprechpartner anerkannt werden. Dann müsste die internationale Gemeinschaft den Schutz der Zivilbevölkerung garantieren. Wie das gemacht wird, ist eine andere Frage. Das heißt nicht, dass das libysche Modell eins zu eins kopiert werden muss.

Die Zahl der Mitglieder der Freien Syrischen Armee steigt stetig. Wie viele sind sie schon?

Es sind sicher über 10 000 Mann. Das ist aber keine strukturierte Armee, sondern es sind einzelne Gruppierungen und auch Reservisten, also Männer bis zum 45. Lebensjahr, die jetzt eingezogen werden.

Ist damit nicht ein Bürgerkrieg programmiert?

Den Bürgerkrieg will nur das Regime, das alles dafür tut, einzelne Bevölkerungsteile gegeneinander aufzubringen.

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