Politik : Täglicher Terror in Pakistan

Ruth Ciesinger

Berlin - Trotz des Attentats auf seinen Innenminister ist Pakistans Präsident Pervez Musharraf am Sonntag nach Ankara gereist, um dort seinen afghanischen Kollegen Hamid Karsai zu treffen. In der Tat beschäftigt der Terror beide Politiker am meisten – gegenseitig werfen sie sich vor, nicht genug gegen die wiedererstarkenden Islamisten in Afghanistan zu tun.

Karsai habe ihn Samstagnacht angerufen und versichert, gemeinsam weiter gegen Terroristen zu kämpfen, sagte der Innenminister im pakistanischen Fernsehen. Aftab Sherpao Khan, seit 2001 im Amt, gilt als wichtige Figur im Antiterrorkampf sowie als Vermittler zwischen Musharraf und Karsai. Während der Minister nur leicht verletzt wurde, wurden nach inoffiziellen Angaben mehr als 30 Menschen bei dem Anschlag in der nordwestlichen Grenzprovinz getötet.

In den vergangenen Monaten hat sich die Sicherheitslage in Pakistan nach Ansicht von Beobachtern stark verschlechtert. Oft werden mehrere Anschläge in einer Woche gemeldet, ebenfalls am Samstag war im Flughafen von Peshawar, Hauptstadt der nordwestlichen Grenzprovinz, eine Bombe explodiert. Verletzt wurde dabei niemand. Die gewaltgeladene Situation hat mehrere Ursachen, eine davon dürfte Vergeltung für Militäraktionen gegen Islamisten vor allem in den sogenannten Tribal-Areas an der Grenze zu Afghanistan sein, die als autonomes Gebiet Teil der nordwestlichen Grenzprovinz sind. Aftab Sherpao Khan selbst hatte dort mit Stammesführern Gespräche geführt, am Freitag starben dort – möglicherweise durch den Angriff einer US-Drohne – vier Menschen.

Mit dem Vorwurf konfrontiert, man tue zu wenig im Kampf gegen Islamisten, antworten pakistanische Offizielle deshalb fast immer: Wir selbst leiden doch am meisten unter dem Terror. Tatsächlich wurden gegen Musharraf und dessen Premier Shaukat Aziz schon mehrere Anschläge verübt, der Attentatsversuch auf den Innenminister war ebenfalls nicht der erste. Andererseits gilt als gesichert, dass Teile der Taliban, die früher in Afghanistan herrschten, nun vom pakistanischen Quetta aus agieren.

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