Politik : Täter merken wenig vom Klimawandel

Gipfel einig über Geld für saubere Entwicklung

Dagmar Dehmer[Nusa Dua]

Der Klimawandel ist ungerecht. „Die Entwicklungsländer sind am anfälligsten für Klimaextreme, obwohl sie kaum zum Ausstoß von Treibhausgasen beitragen“, sagt Peter Höppe, Chef-Risikoforscher der Münchener Rückversicherung. Das belegt die Auswertung der Datenbank der Münchener Rück, in der sämtliche relevanten Naturkatastrophen seit den 50er Jahren gesammelt werden. Die Entwicklungsorganisation Germanwatch hat für ihren Globalen Klima-Risiko-Index die Zahlen für 2006 ausgewertet. 2006 gab es besonders viele starke Taifune im Pazifik, weshalb die Philippinen auch auf dem ersten Platz des Index gelandet sind. Dort und in Indonesien (Platz drei) starben mehr als tausend Menschen durch Taifune.

Der Trend setzt sich 2007 fort. Thomas Loster, Chef der Münchener-Rück- Stiftung, berichtete am Dienstag auf Bali, dass von den zehn schwersten Naturkatastrophen dieses Jahres nur eine nicht vom Wetter verursacht war, ein Erdbeben in Peru. Am schlimmsten hat es Bangladesch erwischt, wo wegen des Zyklons Sidr knapp 3 100 Menschen starben. Trotzdem lobte Loster gerade Bangladesch, weil sich das Land besser auf Naturkatastrophen vorbereitet habe. Nach der Zyklonwarnung waren gefährdete Regionen evakuiert und ihre Bewohner in sichere Schutzräume gebracht worden. Einige Jahre zuvor hatte es bei einer vergleichbaren Flutkatastrophe in Bangladesch noch 30 000 Tote gegeben.

Für Otmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), ist die Gerechtigkeitsfrage denn auch die Schlüsselfrage für die Klimaverhandlungen. Wenn die Anpassungskosten an den Klimawandel nicht „fair geteilt werden“, seien die Schwellen- und Entwicklungsländer nicht dafür zu gewinnen, sich auf eine Begrenzung ihrer Emissionen einzulassen. Edenhofer hält deshalb den Vorschlag von Bundeskanzlerin Merkel, langfristig jedem Menschen ein Anrecht auf den Ausstoß von zwei Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr zuzugestehen, für einen geeigneten Weg. Dann könnten Entwicklungsländer, die einen geringeren Pro-Kopf-Ausstoß haben, diese Emissionsrechte gewinnbringend an Industriestaaten verkaufen, die es nicht schaffen, ihre Emissionen entsprechend zu senken.

Am Dienstag warnten die Autoren des Berichts über die menschliche Entwicklung vor einer „Anpassungsapartheid“. Kevin Watson, der Hauptautor, warf den Industriestaaten vor, die „Armen der Welt“ vor die Alternative zu stellen: „Sink oder schwimm.“ Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP schloss sich der Forderung seiner Autoren an, von spätestens 2015 an jährlich einen Betrag von 86 Milliarden US-Dollar aufzubringen, um die Anpassung in den armen Ländern zu finanzieren. „Die Zahl ist groß, aber die menschlichen Verluste sind noch größer“, sagte Watson. Zudem entsprächen die 86 Milliarden Dollar gerade mal 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Industrieländer in der OECD.

In der Nacht zum Dienstag einigte sich der UN-Klimagipfel auf Bali darauf, den schon lange beschlossenen Anpassungsfonds endlich arbeitsfähig zu machen. Dieser Fonds soll den sogenannten „sauberen Entwicklungsmechanismus“ (CDM) finanzieren. Zwei Prozent des Geldes, das in sogenannte CDM-Projekte fließt, werden als Abgabe abgeführt. Wenn Unternehmen, die Emissionsobergrenzen einhalten müssen, in erneuerbare Energien oder effizientere Industrieanlagen in Entwicklungsländern investieren, bekommen sie Emissionszertifikate.

Nach mehr als einjährigem Streit über die Frage, wer den Fonds verwalten soll, entschieden die Delegierten der Klimakonferenz nun, dass das an die Weltbank angedockte Weltinstitut für Umweltfinanzierung (GEF) die Mittel managen soll. Bisher haben sich etwa 67 Millionen Dollar angesammelt. Die Sicherheit des Geldes garantiert die Weltbank. Doch weil die Entwicklungsländer dem GEF misstrauen, soll jetzt ein Aufsichtsrat aus 16 Mitgliedern gebildet werden. Die Entwicklungsländer sind darin stärker vertreten als in der Weltbank. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete die Entscheidung als Erfolg, kritisierte nach seiner Ankunft auf Bali am Dienstag jedoch, dass der Fonds „nach wie vor völlig unterfinanziert“ sei.

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