Politik : Tag der deutschen Einheit: Kohls Absage zum 3. Oktober und die Reaktionen in Dresden

Ralf Hübner

Sachsens CDU-Landeschef Fritz Hähle spricht respektvoll von "Verständnis und Hochachtung" und meint die Ankündigung von Helmut Kohl (CDU), am 3. Oktober nicht nach Dresden zu den Einheitsfeierlichkeiten kommen zu wollen. Kohl beende damit eine unsägliche Debatte, sagt Hähle, die angehalten hätte, "ob Kohl nun hätte reden dürfen oder nicht".

Überrascht indes hat die Absage Kohls auch Hähle nicht mehr. Überrascht sei er nur gewesen, dass die Absage so rasch gekommen sei. Hähle verkneift sich Vorwürfe in Richtung der sächsischen Staatskanzlei. Er hätte Kohl gern reden hören. Seine Kritik hat Hähle stets in demonstratives Schweigen zum Thema zum Ausdruck gebracht. Auch jetzt mag er der Staatskanzlei nicht den Vorwurf machen, die Absage Kohls durch diesen Affront geradezu heraufbeschworen zu haben. Vorwürfe dieser Art werden dort auch strikt zurückgewiesen. Bedauerlich sei das Ganze, lautet die offizielle Sprachregelung, zudem überraschend. Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) habe seine persönliche Einladung an den Altkanzler für freundschaftlich gehalten. "Wie unter alten Kumpels" sei das Schreiben abgefasst gewesen. Es könnte aber sein, dass Kohl gerade diese demonstrative Liebenswürigkeit seines Widersachers als unverhohlenen Spott aufgefasst haben mag. Von einer persönlichen Antwort an Biedenkopf ist bislang nichts bekannt. Der Ministerpräsident hat die offizielle Absage Altkanzlers mit Schweigen quittiert. Der Ministerpräsident sei im Urlaub und wolle sich nicht äußern.

Bezeichnenderweise ist es ausgerechnet wieder einmal die sächsische PDS, die sich für Kohl ins Zeug legt. Nachvollziehbar und verständlich nennt der Parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Fraktion, André Hahn, die Absage Kohls. Eine logische Konsequenz aus dem kleinkarierten Gezänk innerhalb der CDU, bei dem Biedenkopf wenig Souveränität bewiesen habe.

Die Entscheidung von Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederum, unmittelbar nach Beendigung der offiziellen Feierlichkeiten nach Hannover zu eilen, um dort an einer Veranstaltung auf Expo teilzunehmen, will die Sächsische Staatskanzlei nicht als Affront werten. Diese Entscheidung des Bundeskanzlers stehe schon lange fest, heißt es, das habe er bei der Planung seiner Teilnahme frühzeitig angekündigt. Hähle, Sachsens CDU-Chef äußert sich deutlicher. Schröder habe mit den neuen Ländern nicht viel im Sinn, sagt Hähle, er sei ja auch nicht der Erfinder der deutschen Einheit gewesen.

Zwar hat Helmut Kohl (CDU) für alle Veranstaltungen anlässlich des Tages der deutschen Einheit abgewunken - bis auf die der Konrad-Adenauer-Stiftung -, doch die Hoffnung will Hähle eigenem Bekunden zufolge noch nicht aufgegeben, dass der Einheitskanzler doch noch zu einer Parteiveranstaltung der sächsischen CDU am 2. Oktober nach Dresden kommen könnte. Diese Entscheidung halte er für noch offen. Anlass dieser Veranstaltung ist ja dort nicht nur die deutsche Einheit, sondern auch der zehnte Jahrestag der Gründung des sächsischen Landesverbandes.

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