Tag der Einheit : ''Demokratie braucht Erinnerung''

Bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin haben Politiker die Erfolge der vergangenen 17 Jahre gewürdigt. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach sich für ein "Freiheits- und Einheitsdenkmal" in Berlin aus.

Mey Dudin,Sven Moritz[ddp]

Schwerin Lammert hob die "große Aufbauleistung" der Bürger in beiden Teilen Deutschlands hervor. Der Bundesratspräsident und Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD), bezeichnete die Erfolge in den neuen Bundesländern als "Erfolge der Menschen in ganz Deutschland".

Der offizielle Teil der zentralen Feierlichkeiten hatte am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst im Schweriner Dom begonnen. Nachdem sich die Repräsentanten der Verfassungsorgane in das Goldene Buch der Stadt eingetragen haben, folgte am Mittag der Festakt im Mecklenburgischen Staatstheater. Lammert und Ringstorff sprachen vor etwa 700 geladenen Gästen. An der Feier nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mehrere Regierungschefs der Länder und mehr als 100 Vertreter des Diplomatischen Korps teil.

Lammert betonte mit Blick auf die vergangenen 17 Jahre, nirgendwo sonst und nie zuvor habe ein Teil eines Landes einem anderen Teil in vergleichbarem Maße geholfen. Der CDU-Politiker rief die Deutschen daher auf, "lieber öfter einmal die Mut machenden Erfolgsgeschichten zu erzählen, statt die unbestreitbaren Lasten zu beklagen".

Lammert: Denkmal "längst überfällig"

Zugleich sprach sich der Bundestagspräsident für ein "Freiheits- und Einheitsdenkmal" in Berlin aus. Dies wäre ein wichtiger Beitrag der Politik, der "längst überfällig" sei. Spätestens zum 25. Jahrestag des Falls der Mauer und der Wiedervereinigung "könnte und sollte ein solches Denkmal stehen". Lammert sagte: "Wir haben aus gutem Grund insbesondere in der Hauptstadt zahlreiche auffällige Stätten der Erinnerung an die Verbrechen zweier Diktaturen in Deutschland. Es gibt keinen vernünftigen Grund, nicht auch in ähnlich demonstrativer Weise der Freiheits- und Einheitsgeschichte der Deutschen zu gedenken."

Ringstorff hob derweil hervor, Ostdeutschland habe in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten "einen großen Sprung nach vorn" gemacht. Alle Bürger in Deutschland leisteten seit vielen Jahren ihren Beitrag dazu, dass Ostdeutschland künftig aus eigener Kraft bestehen könne. Allerdings dürften auch künftige Aufgaben nicht vergessen werden, fügte er hinzu. Noch immer sei die Arbeitslosigkeit im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen, das Lohnniveau Ost liege ebenfalls unter dem Westniveau.

Ringstorff: Freiheit ist wichtiger als Bequemlichkeit

Zugleich forderte der Bundesratspräsident die Menschen zur weiteren Auseinandersetzung mit der Diktatur auf. "Demokratie braucht Erinnerung", sagte er. Vor allem die jungen Menschen müssten diesbezüglich gebildet werden, sonst "stoßen in diese Lücke politische Extremisten". Ringstorff mahnte: "Machen wir unsere Kinder stark, damit sie aus ihren Chancen etwas machen und sich die Freiheit nie abkaufen lassen für vermeintliche Gleichheit, Sicherheit oder mehr Bequemlichkeit. Das ist der Auftrag aus zwei deutschen Diktaturen."

Vor einem offiziellen Empfang im Archäologischen Landesmuseum eröffnete Köhler anschließend eine Musikparade mit etwa 1000 Mitwirkenden aus ganz Deutschland. Am Nachmittag sollen die Ministerpräsidenten Ringstorff, Peter Harry Carstensen aus Schleswig-Holstein und Peter Müller (beide CDU) aus dem Saarland sowie weitere Teilnehmer bei einem Drachenboot-Rennen gegeneinander antreten.

Bereits am Dienstag war das Bürgerfest in Schwerin eröffnet worden. Zu den Feierlichkeiten wurden mehrere Hunderttausend Menschen erwartet. Zum Abschluss der Einheitsfeier war ein Feuerwerk vor dem Schloss geplant.

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