Tag der Einheit : Horst Köhler: "Es war nicht alles immer richtig"

Der Bundespräsident Horst Köhler wirbt für Ostdeutschland. Parteiübergreifend zogen die Politiker nach 18 Jahren deutscher Einheit eine positive Bilanz.

Tag der Deutschen Einheit
Bundespräsident Horst Köhler -

Hamburg18 Jahre nach der Wiedervereinigung haben Bundespräsident Horst Köhler und führende deutsche Politiker das Zusammenwachsen zwischen Ost und West gewürdigt. "Unser Volk ist frei und politisch geeint. Wir leben in sicheren Grenzen, umgeben von Freunden und Partnern", sagte Köhler beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit.

"Bei allem, was danach geschah; bei allem, was gelang, was schiefging: Was für ein Glück ist und bleibt diese friedlich und mutig erkämpfte Freiheit, was für ein Segen für unser Vaterland." Auf dem von mehreren zehntausend Bürgern besuchten Bürgerfest stellten sich die 16 Bundesländer unter dem Motto "Kulturnation Deutschland" vor. Unterdessen demonstrierten rund 1600 Menschen aus dem linken Spektrum gegen die Einheitsfeier.

Köhler: Ostdeutschland wird weiterhin unterstützt

In seiner Rede räumte Köhler ein, dass der Vereinigungsprozess nicht immer gut abgelaufen sei. "Deshalb wollen wir nicht länger so tun, als sei alles immer nur richtig gewesen." Es sei aber auch viel erreicht worden. Die deutsche Wirtschaft habe sich erholt "und kann im internationalen Wettbewerb wieder gut mithalten, was uns auch in der aktuellen Finanzkrise hilft". Die Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen - wenn auch nicht überall gleich stark. Ziel bleibe, "besonders energisch die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland abzubauen, die noch immer doppelt so hoch ist wie im Westen".  Ostdeutschland werde darum weiter einer besonderen Unterstützung bedürfen. "Ich freue mich, dass es darüber einen parteiübergreifenden Konsens gibt."

Köhler forderte, dass Deutschland seiner Führungsverantwortung in Europa nicht ausweichen dürfe: "Wir haben keinen Grund, uns größer zu machen als wir sind. Aber auch nicht kleiner." Die Welt benötige das europäische Modell in Zeiten des globalen Umbruchs. "Trauen wir uns und Europa etwas zu."

Linke demonstrieren

Begleitet wurden die Feierlichkeiten von einer Demonstration von rund 1600 Menschen aus dem linken Spektrum. Unter dem Motto "Hart Backbord - Kein Grund zum Feiern" zogen sie am Freitag durch den Stadtteil St. Pauli - begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot. "Bislang ist alles ruhig", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer am Nachmittag. Die Polizei war mit mehr als dreitausend Beamten im Einsatz, um den friedlichen Verlauf des Einheitsfests zu garantieren.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Rande des Festaktes: "Weil ich noch weiß, wie es vor dem Fall der Mauer war, sage ich, es ist wirklich ein großes Glück für unser Land, dass wir in Frieden und Freiheit vereint sind." Es tue ihm aber weh, wenn gerade in Ostdeutschland, aber auch im Westen die Wahlbeteiligung abnehme.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagte, vor allem für junge Menschen sei die Einheit eine Selbstverständlichkeit geworden. "Sie hat das Herz der Menschen erreicht, auch wenn sie in allen Punkten noch nicht vollendet ist". Auch FDP-Chef Guido Westerwelle betonte: "Ich glaube, dass die innere Einheit viel weiter vorangeschritten ist, als manche immer noch meinen an solchen Tagen."

Quadriga-Preis wird verliehen

Auf der bis Sonntag geöffneten Festmeile in der Hamburger Speicherstadt wurden bis zu 200.000 Besucher täglich erwartet. Sachsen stellte dort seine Museenlandschaft vor, während zum Beispiel Bremen mit einem Wissenschaftszentrum präsent ist. Ein "Zoo am Meer" brachte die Stimmen von Seebären und Seelöwen den Bürgern näher. Die vier östlichsten, westlichsten, nördlichsten und südlichsten deutschen Zipfelgemeinden warben gemeinsam für ihre touristische Vielfalt und boten eine Einheitssuppe mit Zutaten aus allen 16 Bundesländern an.

Auch in Berlin feierten zehntausende Berliner und Touristen den Tag der Deutschen Einheit. Auf der Festmeile am Brandenburger Tor herrschte am Freitagnachmittag bei mildem Herbstwetter Andrang. Am Abend sollte zudem der Quadriga-Preis verliehen werden. Der Verein Werkstatt Deutschland vergibt die Auszeichnung in diesem Jahr unter anderem an den serbischen Präsidenten Boris Tadic und das Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Der Preis ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. (ml/dpa)

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