Politik : Tagen statt feiern

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Welt ist einfach ungerecht. Auch wenn die rot-grünen Koalitionäre uns in den vergangenen Tagen das Gegenteil weismachen wollen. Sie wollen uns einreden, dass mit den Steuer- und Sparplänen der Bundesregierung in Deutschland alles ein bisschen gerechter wird. Und sozialer. Weil ja schließlich alle bluten müssen: Arbeitslose genauso wie Großunternehmer. Patienten genauso wie Häuslebauer. Alles Quatsch. Glauben Sie denen bloß nicht. Denn die größte, gemeinste, himmelschreiendste, unglaublichste und fieseste Ungerechtigkeit wollen SPD und Grüne in den kommenden vier Jahren nicht angehen. Die Feiertage.

Darauf hat uns der bayerische Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler aufmerksam gemacht. Der CSU-Mann äußert sich in einem Brief an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse „verwundert“ darüber, dass am 31. Oktober eine Bundestagssitzung stattfand. Für Berliner (und den Katholiken Thierse) liefert der Protestant Gauweiler die Erklärung mit: Weil am 31. Oktober 1517 Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte, wird dieser Tag von den Protestanten gefeiert. Gesetzlicher Feiertag ist der Reformationstag allerdings nur in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Berlin nicht.

Immerhin mussten die Damen und Herren Abgeordneten nicht am Tag darauf den Reden ihrer Kollegen im Reichstag lauschen. Dann spätestens hätte Gauweiler möglicherweise doch gestreikt. Denn – für die Berliner unter uns: Der 1. November ist auch ein Feiertag, Allerheiligen nämlich. Ein gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland – und in Bayern.

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