Tagesspiegel-Korrespondenten berichten : Krise? Welche Krise?

Ganz Europa streitet darüber, sie müssen die Lage täglich erklären: Die Auslandskorrespondenten des Tagesspiegels berichten, wie sie die Probleme rund um den Euro erleben. Sechs Einblicke in sechs Länder, sechsmal ganz persönlich.

Demonstration für eine europaweite Reichensteuer.
Demonstration für eine europaweite Reichensteuer.Foto: Reuters

Euro-Krise hier, Bankenrettung da. Reichensteuer hin, Finanzstransaktionssteuer her. Streik hier, Rettungspakete da. Wer soll da noch den Überblick behalten? Wir haben unsere Auslandskorrespondenten gebeten, so über die Krise zu schreiben, dass es jeder versteht. Wir wollten wissen: Was machen die Reformpakete mit den Menschen? Was steckt hinter den Zahlenkolonnen und Statistiken?

Aus britischer Sicht sieht die Welt manchmal ganz einfach aus. "Wenn es uns nicht mehr passt, steigen wir einfach aus", drohen die Engländer gerne mal. Es wäre nicht das erste Mal, dass die da drüben auf der Insel ihr eigenes Süppchen kochen. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Einen Blick in die europakritische Seele der Inselnation wirft Matthias Thibaut aus London.

Auf den ersten Blick scheint es Paris so gut zu gehen wie eh und je. Über das Gespann "Merkozy" wurde viel gespottet, doch nicht umsonst übernahmen die beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, Frankreich und Deutschland, eine Führungsrolle in der Euro-Krise. Doch wer genau hinschaut, der entdeckt auch in Frankreich die Zeichen der Krise. Den neuen Präsidenten François Holland setzt das unter enormen Sparzwang. Seinen Wählern dürfte das gar nicht gefallen. Darüber berichtet Hans-Hagen Bremer aus Paris.

Unser Brüssel-Korrespondent Christoph Ziedler kam genau zur richtigen Zeit in das "Machtzentrum" der EU - oder gerade zur falschen. Für ihn bedeuten die endlosen Sitzungsmarathons der Funktionäre, die ständigen Brandmeldungen und das Gezerre zwischen Nationalstaaten und der EU vor allem eines: zahllose Überstunden. Davon mal abgesehen lautet die Botschaft seines sehr persönlichen Berichts aber: Nicht alles, was aus Brüssel kommt, ist Mist.

Kein anderes Land hat so sehr mit dem eigenen Schuldenberg zu kämpfen wie Griechenland. Jeder vierte Grieche ist mittlerweile ohne Job, bei den unter 24-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Gerd Höhler erlebt Tag für Tag, wie die griechische Mittelschicht wegbricht und wie sogar enge Freunde verarmen. Die Krise stiftet Unfrieden, Gewalttaten gegen illegale Einwanderer nehmen zu, aber auch die Abneigung gegen das europäische Ausland, das den Sparplan diktiert, wächst. Gerd Höhler berichtet von seinen Erfahrungen in Athen.

In der Krise haben Bettler Konjunktur - auch in Spanien. Sie sitzen vor Metrostationen und Supermärkten - hoffend auf ein wenig Hilfe zum Überleben. Als „Lazy Beggars“ (Faule Bettler) machen zwei von ihnen in Madrid eine Art Geschäft daraus. Unser Autor Ralph Schulze hat die beiden „Bettler des 21.Jahrhunderts“ besucht.

Im November 2011 feiern die Menschen in Italien. Mit Halleluja-Gesängen preisen sie den Rücktritt des ehemaligen Staatschef Silvio Berlusconi. Unserem Korrespondenten Paul Kreiner kündigen sie in Rom die Krise an. Die gute Nachricht aus Italien ist: Eine Bank ist noch nicht zusammengebrochen.

Viel Spaß bei der Lektüre!

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