Taiwan : Neuer Präsident will Konflikt mit China beenden

Seit Jahrzehnten liegt Taiwan, die erste chinesische Demokratie, mit der Volksrepublik im Clinch. Denn ähnlich wie im Fall Tibet betrachtet China sämtliche Unabhängigkeitsbestrebungen als Kriegserklärung. Der neue taiwanesische Präsident sucht nun einen Ausweg aus der Krise.

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Frieden und Aussöhnung. Anders als sein Vorgänger schlägt der neue taiwanesische Präsident Ma Ying-jeou versöhnliche Töne an. -Foto: dpa

TaipehDer neue taiwanesische Präsident Ma Ying-jeou sucht eine stärkere Annäherung an China. Bei seiner Amtseinführung am Dienstag in Taipeh sagte der 57-Jährige, sein Ziel sei "Frieden und Stabilität" in den Beziehungen zu Festlandchina. "Ich hoffe, dass beide Seiten die historische Gelegenheit ergreifen können, um Frieden und Aussöhnung zu erreichen", sagte Ma Ying-jeou. Vor tausenden Menschen und ausländischen Gästen in der Taipeh-Arena versprach Ma Ying-jeou, am Status quo festhalten zu wollen und in seiner Amtszeit weder die Unabhängigkeit Taiwans noch eine Wiedervereinigung mit Festlandchina anzustreben.

Ma Ying-jeou forderte die kommunistischen Führer in Peking aber auf, Taiwan auf der internationalen Bühne nicht weiter zu isolieren. Zuvor war Ma Ying-jeou im Präsidentenpalast vereidigt worden. Der 57-Jährige Spitzenpolitiker der Nationalpartei Kuomintang löst den bisherigen Präsidenten Chen Shui-bian von der Fortschrittspartei (DPP) ab. Nach acht Jahren der Spannungen mit China unter Chen Shui-bian, der Peking immer wieder mit seiner Unabhängigkeitspolitik verärgert hatte, strebt Ma Ying-jeou eine stärkere wirtschaftliche Integration mit China an.

Taiwans Ausbruch aus der Isolation>

Die kommunistische Führung in Peking begrüßt die Haltung des neuen Präsidenten. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hat bereits den Vorsitzenden der Kuomintang, Wu Poh-hsiung, für nächste Woche zu Gesprächen nach China eingeladen. Beide Seiten wollen auch bald wieder einen regelmäßigen Dialog aufnehmen, den Peking 1999 aus Ärger über die Unabhängigkeitsbestrebungen in Taiwan abgebrochen hatte. Ma Ying-jeou hatte sich bereits nach seiner Wahl zu dem 1992 erzielten Konsens bekannt, der Grundlage für die Gespräche war. Danach erkennen beide Seiten an, dass es nur "ein China" gibt, behalten sich aber verschiedene Interpretationen vor, was sie darunter verstehen.

Chinas Führer betrachten die heute demokratische Inselrepublik seit 1949 nur als abtrünnige Provinz und drohen bei einer Abspaltung mit Krieg. Nur 23 meist kleinere Staaten erkennen Taiwan als Staat an. Der Rest der Welt unterhält zwar Handelskontakte zu Taiwan, aber aus Rücksicht auf Peking keine diplomatischen Beziehungen. (stb/dpa)

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