TAKTISCHER SCHACHZUG? : Assad-Cousin will Vermögen spenden

Einer der einflussreichsten syrischen Unternehmer und Cousins von Präsident Baschar al Assad soll sich nach massiven Protesten gegen die Regierung und ihre Vetternwirtschaft aus der Geschäftswelt zurückziehen. Rami Machluf werde sein Vermögen in Wohltätigkeits- und Entwicklungshilfeprojekte stecken, kündigte die staatliche Nachrichtenagentur Sana an. Sein 40-Prozent-Anteil an Syriens größtem Mobilfunkkonzern Syriatel werde an die Börse gebracht und der Gewinn unter anderem an Hinterbliebene derjenigen verteilt, die bei den Protesten ums Leben gekommen seien.

Machluf ist eine der zentralen Hassfiguren der Demokratiebewegung. Die Demonstranten sehen in ihm einen Vertreter des Assad-Clans, der seit mehr als vier Jahrzehnten das Land autokratisch regiert. Machluf ist ein enger Vertrauter des Staatschefs, die beiden sind seit ihrer Kindheit Freunde. Unter dem Präsidenten baute er ein weit verzweigtes Wirtschaftsimperium auf, einige seiner Unternehmen sind de facto Monopole. Er kontrolliert Telekom-, Luftfahrt-, Öl-, Bau-, Import- und Immobilienfirmen. Die USA werfen ihm Korruption vor und halten seit mehreren Jahren Sanktionen gegen ihn aufrecht, die Europäische Union zog im Mai nach. Machluf hat alle Vorwürfe von sich gewiesen.

Bis vor drei Monaten, also vor Beginn der von den Umstürzen in Tunesien und Ägypten inspirierten Proteste in Syrien, wäre Kritik an dem Tycoon undenkbar gewesen. Die offizielle Meldung über seinen Rückzug wurde am Vorabend der für Freitag zu erwarteten neuen Proteste herausgegeben, offenbar in der Hoffnung, dass die Demonstranten dies als Zugeständnis werten. rtr

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