Politik : Taliban-Chef unbehelligt in Pakistan?

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Neu Delhi/Kabul - Die Aussagen aus dem Verhör des bisherigen Taliban-Sprechers Mohammad Hanif haben Sprengkraft – wenn sein Geständnis denn stimmt und vom afghanischen Geheimdienst am Mittwoch wahrheitsgemäß wiedergegeben wurde. Demnach soll Taliban-Chef Mullah Omar, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, seelenruhig von Pakistan aus den radikal-islamischen Aufstand in Afghanistan leiten – und das angeblich nicht nur mit Duldung, sondern mit aktiver Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI.

Dass Kabul mächtige Kräfte in Pakistan verdächtigt, den Rebellen bei ihrem blutigen Handwerk in Afghanistan behilflich zu sein, ist nicht neu – dass ein hochrangiger Aufständischer wie Hanif mit Beziehungen zur Rebellenführung das angeblich einräumt, schon. Auch aus dem Westen nehmen Vorwürfe an die Adresse Islamabads zu – die die Regierung mit spektakulären Aktionen entkräften will.

Wesentlich deutlicher aber dürfte nun die Kritik ausfallen, wenn Mullah Omar tatsächlich unter dem Schutz des Geheimdienstes in Pakistan den Tod tausender Afghanen und von bislang mehr als 530 ausländischen Soldaten organisiert hat. Seit fünf Jahren gilt Mullah Omar, der im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer ein Auge verlor, als spurlos verschwunden – ebenso lange wie Al-Qaida-Chef Osama bin Laden. Mullah Omar soll bin Laden während der Kämpfe gegen die Rote Armee kennen gelernt und später eine seiner Töchter geheiratet haben.

Der Siegeszug der Taliban in Afghanistan unter ihrem Anführer ist berüchtigt – und konnte nur mit Unterstützung Pakistans gelingen. Nach dem 11. September 2001 endete diese Unterstützung, der pakistanische Präsident Pervez Musharraf stellte sich an die Seite der USA. Islamabad wies die Vorwürfe denn auch sofort zurück und ließ durchklingen, Hanifs Aussagen könnten unter Druck zu Stande gekommen sein.dpa

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