Politik : Taliban erklären Pakistan den Krieg

Wieder ein Racheanschlag für bin Laden Gerüchte über Tod von Islamisten-Chef Omar

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Foto: promo
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In Afghanistan und Pakistan überschlagen sich nach dem Tod von Al-Qaida-Gründer Osama bin Laden vor drei Wochen die Ereignisse. Bewaffnet mit Raketenwerfern und Maschinenpistolen, stürmten Extremisten in der Nacht zum Montag eine Marinebasis in Pakistan und lieferten sich 16-stündige Gefechte mit Soldaten. Der Überfall auf die hochgesicherte Basis in der Hafenstadt Karachi nährte die Sorge, dass die Angreifer Hilfe von Insidern hatten. Zugleich versetzten Gerüchte über den Tod von Taliban-Chef Mullah Omar Südasien in Aufruhr. Der einäugige Omar sei in Pakistan getötet worden, meldeten afghanische Medien. Afghanistans Geheimdienst NDS erklärte, Pakistans Geheimdienst ISI habe Omar vor wenigen Tagen in Quetta in Gewahrsam genommen. Ob Omar tot sei oder noch lebe, sei unklar. Andere Taliban-Führer hätten jedoch den Kontakt zu ihm verloren.

Unterdessen schürte die gut geplante Terrorattacke auf den Marinefliegerhorst Mehran Ängste um die Sicherheit von Pakistans Atomwaffen. Im Schutze der Nacht waren zehn bis 15 Angreifer in die Basis eingedrungen und hatten verschiedene Ziele attackiert. Die ganze Nacht waren Explosionen zu hören, meterhoch loderten Flammen in den Nachthimmel. Mindestens zwölf Menschen wurden getötet, drei Flugzeuge wurden beschädigt. Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Es sei ein Racheakt für die Tötung bin Ladens gewesen, weitere würden folgen, hieß es. Die Kommando-Aktion lässt aber die Mitwirkung von Al Qaida oder professionellen Terroristen vermuten. Ein Rätsel blieb, wie die Angreifer in die schwer gesicherte Basis eindringen konnten. Pakistan verfügt über Atomwaffen, die als sicher gelten – allerdings nur, solange es keine Verräter oder Überläufer in Reihen des Militärs gibt.

Islamabad hatte angekündigt, die Jagd auf Terrorführer zu verstärken. Für Pakistan ist dies ein Spiel mit dem Feuer, da es blutige Racheakte fürchten muss. Zwar beteuern Pakistan und die USA, dass Islamabad nichts mit dem Tod von bin Laden zu tun hatte. Doch Al Qaida und die Taliban scheinen überzeugt, dass Pakistans Führung verwickelt ist. Bereits vor kurzem hatten sie bei einem Racheanschlag mehr als 80 junge Rekruten getötet. Sowohl Washington als auch Islamabad wollen den bald zehnjährigen Krieg in Afghanistan beenden. Sie scheinen sich darauf verständigt zu haben, einige bekannte Terrorfiguren zu schnappen, um den Einsatz am Hindukusch als Erfolg erscheinen zu lassen. So hatten sie angekündigt, dass Mullah Omar als Nächster auf der Abschussliste steht. Die Jagd nach ihm dürfte sich weniger schwierig gestalten.

Angeblich hat der pakistanische Geheimdienst ISI Omar aber vor wenigen Tagen aus Quetta weggeschafft. Dies sagte der Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS, Lutfullah Mashal, dem TV-Sender Tolo. Die Aktion sei vom früheren ISI-Chef Hamid Gul geführt worden. Die Taliban dementierten den Tod Omars. Falls die Aussage des NDS stimmt, ist die Frage, ob der ISI Omar in Sicherheit brachte, um die Amerikaner auszutricksen – oder ob er faktisch Omar gefangen nahm, um ihn später gemeinsam mit Washington als Trophäe im Anti-Terror-Kampf zu präsentieren. Analysten vermuten, dass Omar am Ende offiziell in Afghanistan „gefasst“ wird, damit Pakistan nicht wieder allein als Terroristen-Hafen am Pranger steht.

Wie die "Washington Post" berichtete, haben die USA bereits Gespräche mit den Taliban begonnen. Ihre Unterhändler sollen sich bereits dreimal getroffen haben, darunter auch in Deutschland. Wer für die Taliban verhandelt, ist nicht ganz klar. Das Afghanistan Analyst Network vermutet, dass es Tayyeb Agha, ein Omar-Vertrauter, ist. Omars Stern war allerdings am Verblassen. Falls ihn Pakistan nun fallen ließ, ist die Frage, wer in seine Fußstapfen tritt.

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