Politik : Taliban greifen Ausflugsziel bei Kabul an

Kabul - Ein beliebtes Hotel, in dem sich Afghanen von der Hitze Kabuls erholen, ist von Taliban attackiert worden. In der Nacht zum Freitag griffen mehrere Terroristen das Spozmai-Hotel rund 20 Kilometer westlich der Hauptstadt an, dabei starben nach unterschiedlichen Angaben bis zu 26 Menschen, darunter laut Kabuls Polizeichef Ajub Salangi 15 Zivilisten.

Die Taliban seien im Spozmai gegen Mitternacht eingedrungen, sagt Salangi: „Zunächst hat die Polizei aus Angst um die Sicherheit der Gäste nicht eingegriffen.“ Viele Menschen mussten so stundenlang auf Rettung warten, einige wurden als Geiseln genommen. Erst am frühen Morgen habe der Einsatz begonnen, so Salangi. Ein Isaf-Sprecher bestätigte, dass die Afghanen von ausländischen Truppen unterstützt wurden. US-Hubschrauber kreisten noch am frühen Morgen über dem Gelände.

Die Hotelanlage liegt zusammen mit anderen Hotels und Restaurants am Ufer des Karga-Sees inmitten von sanft geschwungenen Hügeln. Am See können Wochenendhäuschen und Boote gemietet werden, viele reiche Familien verbringen hier den freien Freitag und kommen bereits am Donnerstagabend im Resort an. Wie die „New York Times“ berichtet, bringen gerade jüngere Hauptstädter oft illegal erworbenen Alkohol zu ihren Ausflügen mit. Ein Taliban-Sprecher sagte, das Spozmai sei angegriffen worden, weil dort ranghohe Mitarbeiter ausländischer Botschaften, Isaf-Vertreter und Mitarbeiter der Kabuler Behörden „wilde Partys“ mit Alkohol und Prostituierten feiern würden. Nato-General John Allen sagte, der Angriff trage die „Handschrift des Haqqani-Netzwerks, das aus der Sicherheit seines pakistanischen Rückzugsraumes heraus operiert“.

Hotels, Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte in Kabul sind regelmäßig Ziel stundenlanger Angriffe, obwohl die Hauptstadt extrem schwer bewacht ist. Die Belagerung des Spozmai nährt die Ängste, dass die Gewalt mit dem Abzug der internationalen Kampftruppen bis Ende 2014 weiter zunehmen könnte. Erst am Mittwoch hatte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Markt in Ostafghanistan in die Luft gesprengt. Dabei waren mindestens drei US-Soldaten und viele afghanische Zivilisten getötet worden. Anfang Juni waren bei einem Doppelanschlag im südlichen Kandahar mindestens 25 Menschen gestorben. AFP/dpa

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