Politik : Taliban melden sich mit Terror zurück

Selbstmordattentat auf Moschee in Afghanistan mit 19 Toten

Frank Jansen

Berlin - Der Attentäter mischte sich am Mittwoch in die Menge, die im südafghanischen Kandahar zur Abdul-Rab-Achundsada-Moschee kamen. Dann sprengte er sich in die Luft. 19 Menschen seien getötet und 52 verletzt worden, berichtete der afghanische Innenminister Ali Ahmed Dschalali. Unter den Toten befinde sich Kabuls Sicherheitschef Akram Chakriswal. Als verantwortlich gelten die 2001 entmachteten Taliban, auch wenn der Täter womöglich ein Ausländer war.

Der Anschlag war in Afghanistan das erste Selbstmordattentat auf eine Moschee. Die Taliban haben offenbar in ihrer einstigen Hochburg Kandahar eine Strafaktion unternommen. Zunächst wurde am Sonntag der Chef des von der Regierung eingesetzten Rates der islamischen Gelehrten, Maulawi Abdullah Fajas, erschossen. Er hatte die Taliban scharf kritisiert. Sie haben sich zu dem Mord bekannt. Als am Mittwoch die Trauerfeier für den Ermordeten stattfinden sollte, kam wieder ein Attentäter.

Droht nun Terror wie im Irak? In den vergangenen Wochen häuften sich die Attacken. Taliban und US-Truppen lieferten sich schwere Gefechte, in Kabul entging die Hamburger Grünen-Politikerin Antje Möller knapp einem Selbstmordattentat, die italienische Entwicklungshelferin Clementina Cantoni wurde entführt, eine Rakete flog ins Hauptquartier der internationalen Schutztruppe Isaf. Außerdem gab es blutige Massenproteste nach dem Bericht des US-Magazins „Newsweek“ über eine angebliche Koranschändung im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo. Deutsche Sicherheitsexperten lehnen jedoch einen Vergleich mit dem Irak ab. Die Taliban wollten zwar vor den für September geplanten Parlamentswahlen „Beachtung erreichen“, aber die Zahl der Anschläge sei weit geringer als im Irak.

Ähnlich argumentiert Boris Wilke von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Vor den Parlamentswahlen würden „Konfliktlinien“ stärker sichtbar als bei der weitgehend ruhigen Abstimmung über die Präsidentschaft im Oktober 2004. Diese Wahl hätten viele Afghanen als Plebiszit zur weithin anerkannten Hilfe der internationalen Gemeinschaft aufgefasst. Da konnten die Taliban, so Wilke, mit Anschlägen wenig erreichen. Außerdem habe die massive internationale Militärpräsenz abgeschreckt. In den Parlamentswahlen sähen aber die Taliban einen „Anreiz“, stärker aktiv zu werden. Wilke erwartet weitere Gewalt – doch er hält sie für die Reaktion von Verlierern, die den „qualitativen Wandel“ in Afghanistan nicht aufhalten können.

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