Tankhilfe in Mali : Bundeswehr weitet Mali-Einsatz aus

Während die Vereinten Nationen über eine Friedenstruppe für Mali nachdenken, gab das Verteidigungsministerium am Donnerstag bekannt, dass der Einsatz der Bundeswehr in Mali ausgeweitet wird - um Tankhilfe.

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Versorgung in der Luft. Über einen Schlauch fließt Kerosin aus einem Tankflugzeug in einen Tornado-Kampfjet. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten.
Versorgung in der Luft. Über einen Schlauch fließt Kerosin aus einem Tankflugzeug in einen Tornado-Kampfjet. Der Vorgang dauert...Foto: dpa

Deutschland weitet seinen Beitrag zum Mali-Einsatz aus. Wie das Verteidigungsministerium am Donnerstag bestätigte, will die Bundeswehr die französischen Streitkräfte in dem westafrikanischen Land künftig auch bei der Luftbetankung von Kampfflugzeugen unterstützen. Die dafür in Frage kommenden Airbusse A 310 der Bundeswehr würden derzeit für einen entsprechenden Einsatz „zertifiziert“. Dabei wird sichergestellt, dass die bei einer Luftbetankung potenziell eingesetzten deutschen und französischen Flugzeuge baulich und technisch miteinander kompatibel sind. Im Anschluss an die Prüfung der Systeme gibt es einen Testflug.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) soll das Zertifizierungsverfahren im Februar abgeschlossen sein. Dann will der Minister seine Soldaten in Mali mit einem Bundestagsmandat ausstatten. „Wir würden bei der Luftbetankung so nah an die vom Bundesverfassungsgericht vorgegebene sogenannte Einsatzschwelle kommen, dass wir wohl mandatieren sollten“, sagte de Maizière der „Süddeutschen Zeitung“. Der Bundestag muss allen bewaffneten Einsätzen zustimmen, bei denen die Bundeswehr Gefahr läuft, in Kampfhandlungen verwickelt zu werden. SPD und Grüne signalisierten am Donnerstag die Bereitschaft, einem solchen Mandat zuzustimmen. Bislang beteiligen sich die Deutschen lediglich mit drei Transall-Flugzeugen am Einsatz in Westafrika. Die Transportmaschinen sind im benachbarten Senegal stationiert und fliegen ausschließlich die malische Hauptstadt Bamako an, wo nicht gekämpft wird. Ein Bundestagsmandat gibt es dafür nicht.

Die Krise in Mali in Bildern
Ein Handout der französischen Armee, zur Verfügung gestellt vom French Army Communications Audiovisual office (ECPAD), zeigt einen französischen und einen malischen Soldaten im Gespräch, während der Militäroperation "Serval" in Diabali, Mali.Weitere Bilder anzeigen
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24.01.2013 15:12Ein Handout der französischen Armee, zur Verfügung gestellt vom French Army Communications Audiovisual office (ECPAD), zeigt einen...

Die Bundeswehr verfügt derzeit über vier Airbusse, die zu Tankflugzeugen, so genannten Multi Role Transport Tankers (MRTT), umgerüstet werden können. Die Maschinen sind in der Lage, bis zu 72 Tonnen Treibstoff zu transportieren und 42 Tonnen Kerosin an andere Flugzeuge abzugeben. Dabei können zwei Jets gleichzeitig in der Luft an das Tankflugzeug andocken.

Für die Kooperation mit Frankreich ist eine Zertifizierung deswegen notwendig, weil die Tankanlage der MRTTs vor allem auf die Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe „Tornado“ und „Eurofighter“ zugeschnitten ist. Frankreich operiert in Mali dagegen mit Jets vom Typ „Mirage“ und „Rafale“.

Die Vereinten Nationen diskutieren derweil, ob die afrikanischen Truppen der Regionalorganisation Ecowas und aus dem Tschad in eine UN-Friedenstruppe überführt werden sollten. Das hatte der Präsident Benins, Boni Yayi, der bis vor wenigen Tagen auch Präsident der Afrikanischen Union war, im Interview mit dem Tagesspiegel indirekt gefordert. Er sagte: „Die Leute müssen damit aufhören zu sagen, dass dieses Problem nur die Afrikaner angehe.“ Frankreichs Verteidigungsminister Jean Yves Le Drian lobte die Initiative als sehr positiv.

Am Donnerstag sind vier malische Soldaten getötet worden, deren Fahrzeug auf eine Mine gefahren ist. Militärexperten rechnen damit, dass die Islamisten, die alle drei großen Städte im Norden Malis verlassen hatten, bevor die französische Armee einmarschiert ist, ihren Kampf als Guerillakrieg fortsetzen werden.

Der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré sagte derweil: „Die einzige Gruppe, mit der wir uns heute Verhandlungen vorstellen können, ist sicher die MNLA.“ Diese säkulare Tuareg-Gruppe hatte vor einem guten Jahr einen Aufstand im Norden Malis angezettelt, der letztlich zum Putsch in der Hauptstadt Bamako und der Besetzung des Nordens durch mit der MNLA verbündete Islamisten führte. Die MNLA hat gute Kontakte nach Frankreich, ist aber in Mali verhasst. (mit rtr)

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