Politik : Tanzsaal wurde zur tödlichen Falle

STOCKHOLM (AP/AFP).Bei der schwersten Brandkatastrophe in Schweden seit Jahrzehnten sind in der Nacht zum Freitag 65 Menschen getötet und rund 160 zum Teil schwer verletzt worden.Ein aus zunächst ungeklärter Ursache ausgebrochenes Feuer verwandelte einen Tanzsaal in Göteborg in eine tödliche Falle.Ministerpräsident Göran Persson besuchte die Brandstelle, ein von mazedonischen Einwanderern gemietetes Gebäude.

Der Großteil der zumeist zwischen 13 und 18 Jahren alten Opfer erstickte im Rauch und in den giftigen Schwelgasen.Bei Ausbruch des Brandes kurz vor Mitternacht hielten sich Berichten zufolge bis zu 400 Menschen in dem Haus auf.Die Mazedonische Vereinigung hatte den Raum im ersten Stock einem zunächst nicht bekanntgegebenen Veranstalter untervermietet.Der Leiter der Rettungskräfte, Lennart Olin, sagte, es gebe Hinweise darauf, daß das Feuer gelegt worden sei: "Der Umstand, daß sich die Flammen rasch ausgebreitet haben, deutet darauf hin, daß es kein normaler Brand war." Wie es weiter hieß, waren alle Opfer Kinder von Flüchtlingsfamilien aus Ex-Jugoslawien sowie aus Somalia, Äthiopien, Iran und Irak und aus südamerikanischen Ländern.

Das Feuer brach gegen Mitternacht in dem Saal aus, der im ersten Stock des Backsteingebäudes der Einwandererorganisation liegt.Die Ursache für das Feuer war zunächst nicht geklärt.Die Polizei erklärte, es habe eine Explosion gegeben.

"Es war das reinste Chaos", zitierte die Nachrichtenagentur TT einen 15jährigen.Er sei auf der Tanzfläche gewesen, als das Feuer an der Decke ausgebrochen sei.Lautsprecher und Lampen seien herabgefallen.Jeder habe versucht herauszukommen, und auf dem Weg zu den Ausgängen hätten sich die Leute gegenseitig niedergetrampelt.Ein anderer Augenzeuge sagte, viele seien in Panik aus den Fenstern gesprungen.Er habe mehrere Leute herausgeholt, darunter einen Freund, der sehr schwer verbrannt gewesen sei.Die Polizei fand zunächst 59 Leichen in dem Raum, ein Opfer starb später im Krankenhaus.Am Nachmittag wurde bekanntgegeben, daß es weitere Tote gegeben habe.Zuvor hatte der medizinische Einsatzleiter Per Örtenwall mitgeteilt, daß 65 Schwerverletzte auf Intensivstationen behandelt wurden.Sieben Jugendliche mit besonders starken Verbrennungen wurden mit Hubschraubern zu Spezialkliniken in mehreren Städten geflogen.

Krankenwagen wurden aus der ganzen Umgebung Göteborgs alarmiert.Der Rettungsdienst setzte auch städtische Busse ein, um Verletzte abzutransportieren.Rettungsleiter Olin zufolge wurde das Gebäude zuletzt im April 1997 inspiziert.Es seien damals alle Sicherheitsvorschriften erfüllt gewesen.Der Saal hat laut Polizei zwei Ausgänge, einer sei durch das Feuer versperrt worden.

Schwedens Ministerpräsident Göran Persson reiste zum Unglücksort und erklärte in Göteborg: "Dies wirkt so unwirklich.Unser ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen und den Verletzten." Persson mußte eine Erklärung im Rundfunk abbrechen, weil er weinte.In Stockholm wurden die Flaggen auf allen Regierungsgebäuden auf Halbmast gesenkt.In Göteborg lösten die Behörden wegen der hohen Zahl der Verletzten und Schwerverletzten Katastrophenalarm aus.

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