Tarifkonflikt : Hunderttausende bekommen Warnstreiks im Berufsverkehr zu spüren

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Donnerstag den Berufsverkehr in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg teilweise lahmgelegt. Im festgefahrenen Tarifkonflikt zeichnet sich unterdessen Bewegung ab. Die Arbeitgeber wollen ein Angebot vorlegen.

Streik
Auch bei der Essener Verkehrs-AG wird gestreikt. -Foto: dpa

BerlinIn Baden-Württemberg litten zehntausende Bürger unter Staus auf dem Weg zur Arbeit, geschlossenen Kindergärten und eingeschränkter Krankenhausversorgung. In Nordrhein-Westfalen war der Bus- und Straßenbahnverkehr in zahlreichen Städten beeinträchtigt. Zudem trat das Bodenpersonal der Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn vorübergehend in den Ausstand. Die Gewerkschaften fordern ein Plus von insgesamt fünf Prozent. Die Arbeitgeber halten diese Forderung für viel zu hoch.

In Köln legten die Warnstreiks den Bus- und Bahnverkehr lahm. Auf den Einfallstraßen großer Städte in Nordrhein-Westfalen bildeten sich lange Staus, an Flughäfen kam es zu Verspätungen. Kitas, Stadtverwaltungen, Schwimmbäder und Theater in vielen Städten blieben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Auch Müllabfuhren streikten. Das große Chaos blieb aber aus. Von dem Ausstand bei den Bus- und Stadtbahnfahrern in Stuttgart waren nach Schätzungen 300.000 Menschen betroffen. Zudem waren viele der rund 180 Stuttgarter Kindergärten geschlossen. Auch im Stuttgarter Klinikum waren die Mitarbeiter nur in Notdienstbesetzung tätig.

Arbeitgeber und Gewerkschaften bekräftigen ihren Einigungswillen in den Tarifgesprächen. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte: "Wir hoffen, dass jetzt ernsthafte Verhandlungen beginnen." Der Präsident der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, sagte im ARD-Morgenmagazin: "Ich meine, wir müssen in der kommenden Runde ein Angebot vorlegen." Wie das aussehe, werde die VKA-Mitgliederversammlung entscheiden. "Das wird ganz ganz schwierig", sagte er. Unter den Städten, Gemeinden, Kreisen und Kommunalen Unternehmen gebe es welche, denen es finanziell "richtig schlecht" gehe. Ein Angebot könne nur "ganz geringere Verbesserungen" umfassen.

Die Arbeitgeber im Südwesten schließen aber eine generelle Gehaltserhöhung für ihre Mitarbeiter aus. "Die Zeiten sind vorbei, dass wir großzügig das Füllhorn über die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ausschütten können", sagte der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Johannes Fuchs, in Stuttgart. Fuchs ist Mitglied der Delegation, die am 10. Februar zum dritten Mal in Potsdam mit den Gewerkschaften verhandelt. Am Montag war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis vertagt worden. Für die Zeit bis zur Fortsetzung der Gespräche haben die Gewerkschaften Warnstreiks geplant. (dpa)

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