Tarifverhandlungen : IG Metall akzeptiert auch Einmalzahlungen

Die IG Metall hat Bereitschaft signalisiert, in der laufenden Metall-Tarifrunde einen Teil der Lohnerhöhungen in Form variabler Einmalzahlungen abzuschließen.

Stuttgart/Düsseldorf - "Zu dieser Regelung stehe ich", sagte der nordrhein-westfälische Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, dem "Handelsblatt". Im ausgelaufenen Tarifvertrag der Branche war erstmals eine flexible Einmalzahlung vereinbart worden, die nach Ertragslage des Betriebes erhöht oder gekürzt werden konnte. Dieser Ansatz könne in Zukunft "kreativ verändert und verbessert" werden, sagte Wetzel.

Eine klare Absage erteilte Wetzel der Forderung nach einem ertragsabhängigen Weihnachtsgeld. Anders als eine variable Einmalzahlung beziehe sich dieser Ansatz nicht nur auf bestimmte Teile einer Lohnerhöhung, sondern greife "direkt in den Bestand der Tarifverträge" ein. Der IG-Metall-Bezirksleiter im Südwesten, Jörg Hofmann, sagte es werde vielleicht noch zwei Verhandlungsrunden während der Friedenspflicht bis zum 28. April geben. "Dann muss entweder ein Ergebnis stehen, mit dem die Beschäftigten zufrieden sind, oder es wird eine kurze, aber heftige Warnstreikphase geben."

Gewerkschaftsspitze warnt vor Arbeitskampf

Auch IG-Metall-Vize Berthold Huber warnte vor einem Arbeitskampf. "Die IG Metall wird einer Auseinandersetzung auf keinen Fall aus dem Wege gehen", sagte Huber der "Stuttgarter Zeitung". "Wir wollen, dass unsere Leute angesichts der überall anerkannten guten wirtschaftlichen Situation endlich wieder strukturwirksame Erhöhungen bekommen. Die Arbeitgeber sollten die Stimmung, die da herrscht, nicht unterschätzen." Die regionalen Verhandlungen werden am 12. April für Niedersachsen und am 16. April für den Südwesten, Nordrhein-Westfalen und den Nordverbund fortgesetzt. Am 18. April folgt die Mittelgruppe mit Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland sowie am 20. April Bayern.

Ein Abschluss in der Friedenspflicht sei mit der Gewerkschaft dann machbar, wenn das Ergebnis stimmt, erklärte Hofmann. "Vor einem Abschluss müssen wir aber einen Graben von 4 Prozent zuschütten." Huber bekräftigte, die von den Arbeitgebern angebotenen 2,5 Prozent plus 0,5 Prozent Konjunkturbonus seien für die IG Metall kein Abschlussszenario. Es gebe keinen Grund, nicht über den Tarifabschluss in der Chemieindustrie hinaus zu gehen. Angesichts der Entwicklung bei Produktivität und Exportumsätzen sei die Situation in der Metallwirtschaft deutlich besser. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Für die Chemiebranche war eine Lohnerhöhung von 3,6 Prozent plus eine Einmalzahlung von 0,7 Prozent vereinbart worden. Die Tarifverträge für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sind am 31. März ausgelaufen. (tso/dpa)

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