Tarifverhandlungen : IG Metall droht mit Warnstreiks

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sind festgefahren. Nachdem die Arbeitgeber kein neues Angebot vorgelegt haben, bereitet sich die IG Metall nun auf Warnstreiks vor.

Neuss/Bremen - Im Bezirk Küste gingen die Tarifpartner nach zweieinhalb Stunden ohne Ergebnis auseinander, nachdem es kein neues Angebot gegeben hatte. Auch in den am Nachmittag beginnenden Verhandlungen für die weiteren Bezirke Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erwartete die IG Metall keine Nachbesserungen. Das bisherige Angebot sei eine "Mogelpackung", sagte der IG-Metall-Sprecher in NRW, Wolfgang Nettelstroth. Die Arbeitgeber provozierten damit einen Warnstreik.

Ein Kompromiss sei machbar, sagte hingegen der Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Nordverbund, Ingo Kramer. Er hoffe, dass die IG Metall das Auslaufen der Friedenspflicht am 28. April nicht abwarte, um aus Prinzip streiken zu können. Die Arbeitgeber erwarten im Norden einen Abschluss bis Ende April.

Bislang gab es zu den Schwerpunktthemen in der Verhandlungsrunde - Ausbildungsvergütungen, Zeitarbeit und Vorruhestand - nach Angaben beider Seiten keine Einigung. Auch bei den Lohnforderungen bewegten sich die Tarifparteien nicht.

IG Metall: 2,5 Prozent mehr Lohn "völlig unzureichend"

Bei der Bezahlung bleibe es bei der Forderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Lohn, sagte NRW-IG-Metall-Chef Nettelstroth. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei dagegen "völlig unzureichend". Die angebotenen 2,5 Prozent mehr Lohn plus ein Konjunkturzuschlag von einem halben Prozent entsprächen im ungünstigsten Fall nur einem Zuschlag von 1,5 Prozent. So wollten die Arbeitgeber das Weihnachtsgeld von 55 auf 40 Prozent kürzen können, was auf das Jahr gerechnet einer Kürzung von einem Prozent entspreche. Zudem könne auch der Konjunkturbonus nach einem Jahr wieder entfallen. "Das ist ganz weit weg von dem, wie ein Abschluss aussehen kann", sagte Nettelstroth.

Innerhalb der IG Metall gibt es Meinungsverschiedenheiten, ob sich die Gewerkschaft bei den Verhandlungen erneut auf variable Einmalzahlungen einlassen soll. "Diese Einmalzahlungen haben den Praxistest nicht bestanden und werden von unseren Mitgliedern entschieden abgelehnt", sagte der Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel. Wegen der niedrigen Verdienste im Osten seien tabellenwirksame - also dauerhafte - Tariferhöhungen notwendig. Schließlich gebe es auch keine Einmal-Inflation und keine Einmal-Produktivitätsgewinne.

Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Detlef Wetzel hatte dagegen erst vergangene Woche die 2006 vereinbarten variablen Einmalzahlungen verteidigt. Dabei war eine Einmalzahlung von 310 Euro verabredet worden. Management und Betriebsräte in den Firmen konnten jedoch erstmals anhand der Ertragslage festlegen, ob der Betrag erhöht oder gekürzt wird. Wetzel hatte gesagt, konjunkturabhängige Zuschläge seien ein Ansatz, der in Zukunft "kreativ verändert und verbessert" werden könne. (tso/AFP)

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