Tariq Ramadan : Universität Oxford hält an Islamwissenschaftler fest 

Die Universität Oxford bleibt bei der Einstellung des schweizerischen Islamwissenschaftlers und Philosophen Tariq Ramadan. Anfang der Woche hatte die Stadt Rotterdam ihn als Integrationsberater entlassen, weil er am Programm eines staatlichen iranischen Fernsehsenders mitgearbeitet hatte

Berlin - Die Universität Oxford hält an der Einstellung des schweizerischen Islamwissenschaftlers und Philosophen Tariq Ramadan fest. Ramadan, der in den vergangenen Jahren als Forscher und Lektor am renommierten St. Antony’s College in Oxford arbeitete, soll dort im September Professor für moderne Islamstudien werden. Anfang der Woche hatte die Stadt Rotterdam ihn als Integrationsberater entlassen, weil er am Programm eines staatlichen iranischen Fernsehsenders mitgearbeitet hatte. Auch die Rotterdamer Erasmus- Universität kündigte ihm deswegen. Die niederländische Tageszeitung „Telegraaf“ zitierte einen Sprecher der Universität Oxford am Freitag mit den Worten: „Redefreiheit ist ein Grundrecht, das wir respektieren.“

Ramadan selbst hatte seine Entlassung in einem Beitrag für das „NRC Handelsblad“ als typisch für die durch Geert Wilders’ Rechtspopulisten aufgeheizte Stimmung in den Niederlanden bezeichnet. Seine Teilnahme an dem Programm verteidigte er: Er habe sich redaktionell und bei der Auswahl seiner Gäste, zu denen Atheisten wie Gläubige mehrerer Religionen zählen, volle Freiheit zusichern lassen und erst nach Gesprächen mit iranischen Freunden Ja gesagt. Das Verhältnis von Religion und Politik in Iran sei viel komplexer als die simplistische Einteilung in zwei feindliche Lager weismacht.

Der 47-jährige Ramadan gilt als Vordenker eines europäischen Islam; in seinen Büchern skizziert er immer wieder Möglichkeiten, als gläubiger Muslim auch in einer nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft zu leben. Sein Bestehen darauf – zuletzt in seinem inzwischen auch auf Deutsch erschienenen Buch „Radikale Reform. Die Botschaft des Islam für die moderne Gesellschaft“ –, dass die Scharia wie der Islam insgesamt keine starren Größen, sondern historisch immer Neuinterpretationen unterworfen waren, bringt ihn sowohl bei konservativen Muslimen in die Schusslinie als auch in die von Islamkritikern, die ihm vorwerfen, sich lediglich liberal und aufgeklärt zu geben.

Ramadan, der in Genf geboren wurde, ist der Enkel des Gründers der ägyptischen Muslimbruderschaft, Hassan al Banna. Sein Vater verließ Ägypten in den 50er Jahren, studierte in Köln und siedelte in die Schweiz über. ade/R.B.

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