Politik : Taschenbuch über Palästina: Unbekanntes Volk im Nahen Osten

Martin Gehlen

Seit Monaten beherrscht der Nahe Osten die Schlagzeilen. Ein Frieden ist in weite Ferne gerückt, die Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern ist inzwischen so gewalttätig und verbittert wie nie zuvor. Fast täglich schießen beide Seiten aufeinander, werden Bomben gezündet. Gewalt und Terror halten die Bevölkerung in Atem.

Auch wenn sich in solchen Krisenzeiten die Berichterstattung in den Medien intensiviert, das Wissen über die Lebensverhältnisse der palästinensischen Seite und die Auswirkungen der seit 34 Jahren andauernden israelischen Besatzungspolitik sind nach wie vor eher spärlich. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für die arabische Seite bleibt in der Regel deutlich hinter der für die israelische Seite zurück. Über die palästinensische Gesellschaft, ihre Politik und Kultur dominieren Klischees und mangelhaftes Wissen. Zudem werden nicht selten negative Bewertungen der israelischen Seite kritiklos übernommen.

Wer sich gründlicher informieren möchte, dem sei ein neues Taschenbuch über Palästina empfohlen. Hervorzuheben sind vor allem die Kapitel über Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft und Kultur. Die beiden Autoren zeichnen darin knapp zusammengefasst ein anschauliches Profil der palästinensischen Gesellschaft, indem sie sich beispielsweise mit dem Wirtschafts- und Bildungssystem, der Kunstszene, aber auch mit der Clan-Struktur oder der Stellung der Frauen beschäftigen.

Dagegen lesen sich die Teile über die Geschichte Palästinas und den Oslo-Friedensprozess eher eintönig und wie ein ausgeuferter Lexikonartikel. Die Ereignisse werden schematisch aufgezählt und nicht akzentuiert. Es fehlen anschauliche Passagen oder prägnante Beispiele. Ähnliches gilt für die politische Durchdringung des Oslo-Prozesses. Auch hier wird brav nacherzählt, ohne dass die Motive und Strategien der Partner herausgearbeitet werden.

Zudem scheinen die Autoren mit der neuesten Literatur zum arabisch-israelischen Konflikt nicht vertraut zu sein. Ihre Literaturliste enthält teilweise sogar überholte Werke. Umgekehrt wiederum fehlen die grundlegenden Arbeiten der letzten Jahre beispielsweise von Avi Shlaim und Benny Morris.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben