Politik : Tausend Soldaten jagen Mullah Omar

Einen Tag nach dem Fall von Kandahar verstärkten afghanische und US-Truppen die Suche nach Terroristenführer Osama bin Laden und Talibanführer Mullah Mohammed Omar. Sichere Erkenntnisse über ihren Aufenthalt gab es aber weiterhin nicht. US-Präsident George W. Bush zeigte sich siegesgewiss und nannte in einer Rede zum 60. Jahrestag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbour die Taliban und bin Laden "Erben des Faschismus".

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"Dieser Kampf wird in einem Sieg für die USA, unsere Freunde und für die Sache der Freiheit enden", sagte Bush auf dem Marinestützpunkt Norfolk im Bundesstaat Virginia. "Die Taliban kontrollieren nur noch ein paar Höhlen", sagte der Präsident unter dem Beifall von Hunderten US-Soldaten. US-Flugzeuge flogen am Samstag erneut massive Bombeneinsätze auf die Bergfestung Tora Bora in Ostafghanistan. Die unzugängliche Bergregion gilt als letztes Rückzugsgebiet. Anti-Taliban-Kämpfer haben angeblich Funksprüche abgefangen, wonach sich bin Laden mit der Führung seiner Terrororganisation Al Qaida tatsächlich dort versteckt.

Die Lage in Kandahar ist nach den Worten es US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld "sehr unübersichtlich". Die Tatsache, dass zahlreiche Taliban mit ihren Waffen geflohen seien, mache die Situation gefährlich. Am Samstag herrschte in Kandahar nach vereinzelten Scharmützeln zwischen Clanmilizen gespannte Ruhe. Taliban-Führer Omar wird nach wie vor in der Nähe der Stadt vermutet. Er hatte deren Übergabe ausgehandelt und war am Freitag untergetaucht, als die Stadt fiel. Nach dem Willen des künftigen Chefs der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, soll Omar vor Gericht kommen. Rund 1000 US-Elitesoldaten, die in der Region in Stellung liegen, haben den Befehl, eine Flucht des Taliban-Führers zu verhindern. Rumsfeld bekräftigte, dass die USA sowohl die Führung der Al Qaida von Osama bin Laden als auch den Taliban-Führer gefangen nehmen wollen. Pakistan verstärkte indes seine Grenzpatrouillen, um zu verhindern, dass Omar, bin Laden und andere Al-Qaida-Terroristen über die Grenze kommen.

Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) hat indes nach eigenen Angaben das bislang größte Lebensmittel-Hilfsprogramm für die Not leidenden Bewohner der afghanischen Hauptstadt Kabul eingeleitet.

In Berlin haben unterdessen Spitzenpolitiker der Grünen den CDU-CSU-Fraktionschef Friedrich Merz scharf für eine Rede in Washington kritisiert, in der er die Ausweitung des Anti-Terror-Krieges auf Länder wie Somalia und Irak befürwortet hatte. "Statt seinen Abenteuer- und Kriegsphantasien freien Lauf zu lassen, sollte Merz bedenken, welche Auswirkungen diese Ausweitung auf den Brandherd Nahen Osten hätte", sagte Grünen-Parteichefin Claudia Roth dem Tagesspiegel am Sonntag. Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch bezeichnete die Erklärung von Merz gegenüber dem Tagesspiegel als "gefährliches Gerede". Überlegungen zu einer Ausweitung des Anti-Terror-Krieges stünden "derzeit überhaupt nicht zur Debatte". Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer hatten vor Spekulationen über eine Ausweitung des Anti-Terror-Krieges auf Irak gewarnt.

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