Politik : Tausende gedenken in Auschwitz

Thomas Roser

Warschau - Etwa 20000 Menschen aus aller Welt haben am Donnerstag beim „Marsch der Lebenden“ in Auschwitz-Birkenau der sechs Millionen Opfer des Holocaust gedacht. Israels Premier Ariel Scharon mahnte bei der Gedenkfeier in dem von den deutschen Besatzern 1940 in Südpolen errichteten Todeslager die überwiegend jugendlichen Teilnehmer, sich der Opfer „immer zu erinnern – und nie die Mörder zu vergessen“: „Vergesst nicht, wie Millionen von Juden in den Tod getrieben wurden, während die Welt still blieb.“

Sein polnischer Amtskollege Marek Belka sagte, die „tragischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs“ sollten die Welt „immun gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus machen“. Er erinnerte daran, dass die meisten europäischen Juden bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Polen gelebt hatten: „Der von den Nazis begangene Holocaust wandelte dieses Land, in dem die jüdische Kultur florierte, in ein Massengrab.“ Bis zum Überfall der deutschen Wehrmacht 1939 hatten in Polen 3,5 Millionen Juden gelebt, die rund ein Zehntel der damaligen Bevölkerung ausmachten. Nur wenige hunderttausend überlebten den Holocaust, die meisten von ihnen in der Sowjetunion. Der Großteil der überlebenden Juden in Polen wanderte nach dem Krieg in die USA und nach Israel aus. Heute wird die Zahl der Juden in Polen auf rund 10000 geschätzt.

Der vom israelischen Erziehungsministerium mitorganisierte „Marsch der Lebenden“ auf der drei Kilometer langen Strecke zwischen den Todeslagern Auschwitz und Birkenau findet seit 1988 statt. Hatten bei dem ersten Gedenkmarsch für die Opfer des Holocaust 1500 frühere Häftlinge und ihre Angehörigen teilgenommen, vermeldeten die Veranstalter in diesem Jahr eine Rekordteilnehmerzahl von überwiegend jungen Juden aus mehr als 40 Ländern.

Das von den deutschen Besatzern in Südpolen errichtete Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau hatten vor 60 Jahren sowjetische Truppen befreit. Die Zahl der dort zwischen 1940 und 1945 ermordeten Menschen wird auf bis zu 1,5 Millionen geschätzt. Die meisten von ihnen waren Juden.

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