Politik : Tausende Menschen fliehen in Afghanistan vor neuen Kämpfen

Im afghanischen Bürgerkrieg hat die radikalislamische Regierung die gegnerischen Verbände nach eigenen Angaben in das Pandscher-Tal zurückgedrängt, ihren letzten wichtigen Stützpunkt. Informationsminister Mutaki sagte am Montag in der eroberten Stadt Tscharikar, die Truppen der 1996 gestürzten Regierung hätten die Felsen am südlichen Taleingang gesprengt und sich eingeigelt.

Das Pandscher-Tal ist die Heimat Ahmad Schah Massuds, des Anführers der gegen die neuen Machthaber in Kabul kämpfenden Truppen. Er war der Verteidigungsminister der früheren Regierung, die vor drei Jahren entmachtet worden war. Ausser Tscharikar, der Hauptstadt der Provinz Parwan, verlor Massud am Montag auch Mahmud-i-Raki, die Hauptstadt der benachbarten Provinz Kapisa. Den Taliban konnten mehr als 100 Soldaten der Massud-Truppen festnehmen, meldete die in Pakistan ansässige Afghanisch-Islamische Presseagentur (AIP) am Montag. Unterdessen sind Tausende Menschen vor den neuen Kämpfen im Norden Afghanistans aus ihren Häusern geflohen.

Die neue Offensive hatte am vergangenen Mittwoch begonnen. Die Einheiten der alten Regierung waren schon zuvor auf etwa zehn Prozent des Staatsgebietes zurückgedrängt worden. Die Regierung in Kabul hat Massud derweil angeboten, sich nach einer Kapitulation in ihr Islamisches Emirat Afghanistan einzufügen, wie das Land jetzt genannt wird. Massud hingegen verlangt die Beteiligung aller Volksgruppen an der Macht. Er beruft sich auf das Vorbild der alten Koalition, die aus dem Krieg gegen die sowjetische Besatzung und den nachfolgenden Machtkämpfen unter den Guerillagruppen hervorgegangen war.

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